Das Gedächtnis der Organe

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Roman

aus dem Jahre 2266

 

Das Gedächtnis der Organe

 

von Siegfried Ahlborn 

 

 

 

Exposé



Der Roman behandelt die Problematik der Organspende vom Jahre 2012 bis ins Jahr 2266.

Der Erzähler lebt im Jahre 2266 und schildert die Situation der dortigen Menschen, die mittlerweile zur Organspende von Staatswegen gezwungen werden. Der Erzähler selbst und seine Freunde sind gegen die Organspende und müssen im Untergrund leben.

Nun ergibt es sich, dass die Tochter des einen Freundes einen Reitunfall hat und sich den Arm bricht. Wie sich aber bald herausstellt, ist dieser Unfall gewollt und dient einem hohen Regierungsmitglied, um an ihre jungen und frischen Organe zu kommen. Denn allein der Freundeskreis, der sich immer von der Organspende ferngehalten hat, hat zu dieser Zeit noch unverbrauchte und gesunde Organe.

Im Folgenden ergibt es sich dann, dass sich – schicksalsmäßig zusammengeführt – Menschen finden, um die Tochter des Freundes durch viele Abenteuer hindurch aus dem Krankenhaus zu befreien. Befreien können sie die Tochter dann aber doch nur durch einen Trick. Sie verbreiten mithilfe des kleinen Mannes – eines Arztes – im Krankenhaus das Gerücht, dass die Tochter des Freundes an einer Narkolepsie leide. Und da man diese Krankheit nicht so einfach nachweisen kann, und die Eltern bei dem Befreiungsversuch der Tochter gefangen genommen werden, kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, während welcher die Tochter erstaunlicherweise die Genehmigung erhält, das Krankenhaus zu verlassen. Doch auch das ist gewollt und gibt ihnen keine Sicherheit.

Ungeachtet der Verfolgung aber sucht der Erzähler die Möglichkeit, mithilfe der Forschungen seines Urgroßvaters, die Menschen auf die Gefahren der Organspende hinzuweisen.

Sein Urgroßvater war ein Professor, der die These vertrat, dass die Entwicklung des Menschen beim Neandertaler stehen geblieben wäre, hätten diese damals schon Organe verpflanzen können. Demzufolge war er der Überzeugung, dass sich die Menschen mit der Organspende die eigene Entwicklung in die Zukunft hinein versperrten. Gleichzeitig aber half er den Armen, die von ihren Organen her ausgebeutet wurden, und sicherte dem Regime dadurch ungewollt Nachschub für ihre Organe.

Durch diesen Umstand genießt der Erzähler – als sein Urenkel – einen gewissen Schutz vor dem Regime. Doch dieser Schutz ist mit seinen Aktivitäten der Aufklärung verspielt und das Regime verfolgt ihn und seine Freunde mit aller Härte. Sie morden seine Wahl-Oma und töten den Tauben-Alfons, der ihm Schutz gewährte. Beide Leichen werden im Organzentrum ausgeschlachtet und der Erzähler ist tief verzweifelt, denn er erkennt die verborgene Absicht, die hinter diesen Taten steht. Gerade noch gelingt es ihm ein Mädchen aus dem Organzentrum zu retten, da müssen er und seine Freunde fliehen.

Sie fliehen in die Berge, wo sie mit ihrem Auto an einer Felswand zerschellen, beziehungsweise in sie hineinfahren und in einem vorhergehenden Leben, im Jahre 2145, landen. Dort erleben sie die nächsten Abenteuer, die sie erkennen lassen, wodurch sie im Jahre 2266 zusammengefunden haben. Die Tochter, die den Reitunfall hatte, war in diesem vorhergehenden Leben (2145) die Tochter des Bürgermeisters, der als Regierungsbeamter im Jahre 2266 die Freunde verfolgt und die Tochter dann doch am Ende des Romans durch eine plötzliche Erinnerung an das vorhergehende Leben in letzter Minute vor einem Mord bewahrt. Und auch alle anderen Personen sehen sich plötzlich in Situationen, die ihnen zeigen, warum sie sich im Jahre 2266 entsprechend verhalten.

Der Erzähler selbst geht noch um eine Inkarnation weiter zurück und landet im Jahre 2012.

Dort erlebt er sich im Krankenhaus liegend, in welches er nach einem Sturz von einem Berg eingeliefert worden ist. Nachdem er in diesem Krankenhaus sein Schicksal überblicken gelernt hat und an die tiefsten Geheimnisse des Lebens herangekommen ist, wird er als hirntod erklärt und erlebt im Geiste mit, wie die Ärzte seine Verwandten überreden, seine Organe zu spenden. Er erlebt in dieser Situation, dass bei einem Hirntoten nur das Gehirn nicht mehr reagiert, der übrige Mensch aber noch lebt. Gleichzeitig überschaut er seine Leben, die er schon gelebt hat – bis ins Jahr 2266 – und lernt erkennen, welche Gefahren den Menschen drohen, wenn sie sich mit der Organspendenpraxis identifizieren. Für ihn selber aber scheint es keine Rettung mehr zu geben. Da erkennt seine Tochter an seinem Krankenbett seine Seele. Sie schaut auf das Gedächtnis seiner Organe; auf seine Erinnerungen, seine Wünsche, seine Neigungen und seine Ziele und stellt sich dem Bruder, dem Sohn und dem Arzt des Erzählers in den Weg, als diese seine Organe entnehmen wollen. - Und in letzter Sekunde, gerade als sein Körper geöffnet werden soll, verstirbt er wie durch ein Wunder so schnell, dass seine Organe nicht mehr zu gebrauchen sind. Das rettet ihn im Jahre 2012 vor der nicht gewollten Spende.

Dann findet er sich wieder im Jahre 2266. Auch die anderen kehren zurück und gemeinsam entschließen sie sich, gegen das Regime zu kämpfen. Zuerst in der Universität, in die sie gelockt werden und dann im Krankenhaus in der Stadt. Dort landen sie letztendlich in einem Labor, wo unter der Herrschaft der „Spinne“ der zukünftige Mensch gezüchtet werden soll und wo sich der untersinnliche Geist aus Furcht, Hass und Zweifel bestehend, selbst erschafft.

Dann geht der Erzähler aber noch weiter in die versteckten Räume des Labors hinein, wo mit Menschenversuchen gearbeitet wird und hat dort die schlimmsten Wahrnehmungen, die sich auf die Versklavung der Menschheit und die Zerstörung ihrer Individualität beziehen. Und er hat einen schweren Disput mit der dort tätigen Ärztin über den Sinn und Widersinn der Züchtung von künstlichen Organen für den Menschen. Er sagt: „Schauen Sie einmal mit Bewusstsein auf die Kinder, die Sie mir vorhin zeigten. Dann haben Sie handgreiflich vor sich, was den Menschen zum Menschen macht. Denn der Mensch braucht den anderen Menschen, um sich zum Menschen zu entwickeln. Er braucht das Gegenüber. Der fertige Mensch wird dem Menschen nicht mit der Geburt gegeben, und schon gar nicht, wenn er aus der Retorte oder der Urzelle kommt. Der Mensch wird Mensch am Menschen. Das ist das große noch unerforschte Geheimnis. Sie können Menschenkinder in einen Raum sperren ohne Kontakt zu anderen Menschen und sie sterben Ihnen dahin. Sie können sie als Kleinkinder zusammensperren und sie werden verkümmern. Sie können sie von Wölfen großziehen lassen und sie werden sich benehmen wie Wölfe. Sie können sie aber auch einem großen Menschen zuführen und sie werden große Menschen.

Das Geheimnis des Menschen liegt in seinem Geist, in seinem Ich und das steckt nicht in den Zellen, sondern in der Beziehung zwischen den Menschen und wird von außen entzündet. Das Geheimnis der Idee des Menschen liegt im menschlichen Gegenüber. Und darin liegt auch das Geheimnis der Erziehung und des Vorbildes. Ist es aber erst einmal entzündet, das Ich – oder die Idee des Menschen – so erlebt es sich in sich selbst als frei und unabhängig und kann sich auch aus sich selbst heraus und aus freien Stücken weiter bilden und formen. Dann hat sich die menschliche Idee im Ich des Menschen selbst erkannt.“

Da diese Diskussion in der Folge aber sehr leidenschaftlich wird, wird er letztendlich ergriffen und gefangen gesetzt.

In einem schwarzen Raum, in welchem er eingesperrt ist, hat der Erzähler dann die persönliche Begegnung mit dem Geist des Grauens, der die gezüchteten Organe für seine eigene Inkarnation gebrauchen will und wütend ist, dass ihm der Erzähler und seine Freunde im Wege stehen. Der Erzähler bezwingt diesen Geist durch die Wahrnehmung des Gedächtnisses seiner Organe und durch seine Furchtlosigkeit vor dem Tode – die dem satanischen Geist ein Gräuel ist. Außerdem kann er ihm die Erfahrungen seiner vorherigen Erdenleben entgegenhalten.

Das Ganze endet in einem dramatischen Erdbeben und einer Sonnenfinsternis, in der alles zerstört wird, was dem Bösen in dieser unmenschlichen Laborschöpfung gedient hat.

Am Schluss sind unsere Freunde frei und können sich der Kunst und der Würde des Menschen widmen.