Gedichte

Siehe auch: Märchen

Gottes Sohn

 

Einst wandelte er unsre Erde.

Heut wandelt er die Klimasphäre.

Dort machte man ihm den Garaus,

Heut rechnet man ihn einfach raus.

Dort lobte man die Todesweis‘.

Heut gibt man einen: „Nobel - Preis“. 

Weltenuhr

 

Ich sehe eine Uhr im Sternenreich.

Der schnellste Zeiger zeigt der Erde Fahrt.

Der nächste Zeiger ist dem Monde gleich,

Der Kleinste zeigt die Sonn‘ in ihrer Art.

 

Und alles wird gelenkt von hohen Geistern,

Die sich bewegen wie im Radgespann.

Wobei das Ganze hinweist auf den Meister:

Der schaut der Räder Werk mit Liebe an.  

Weltenhaus

 

Die Welt ist wie ein großes Haus

In allen seinen Teilen.

Wir gehen ein und gehen aus

Nachdem wir kurz verweilen.

Die einen sagen: Gott schuf es,

Die anderen: ein Knall.

Den einen ist es gerade recht,

Den anderen ein Fall

Zum Forschen, ändern und ergründen,

Wie sich Atome wirbelnd dreh’n,

Dafür zerstör’n sie es und zünden

So lange, bis sie nichts mehr seh‘n.

Dann konstruieren sie sich Stoffe,

Die wild einander Kräfte zeugen,

Und aus sich selber, wie sie hoffen,

Sich dem Entdeckergeiste beugen.

Dagegen gehen alle andern

Die liebend in dem Haus verkehr‘n,

Zum Schöpfer - seinem Tun und Wandern,

Und seinem Bild, das sie verehr‘n.

Denn seinem Bilde zu vertrauen

Erzeugt in ihnen einen Sinn,

Mit dem sie an der Zukunft bauen,

Und sprechend denken: Haus; „Ich bin.“

Hier und Dort

 

Morgens, wenn das Licht des Tages

uns den Sternenraum verschließt,

Und was uns getragen hatte

in die Pflanzenstengel schießt,

Geh‘n wie Brötchen holen.

 

Abends, wenn die Sonnenkräfte

hinterm Horizont versinken,

Und die Sterne von weit oben

unser Seele Sehnsucht winken,

Folgen wir auf müden Sohlen.

 

Seh’n wir dann der Sterne Wesen,

einer vor- und hinterm andern,

Lernen wir was sie uns deuten,

in dem Stehen in dem Wandern,

Wird uns ihre Schrift empfohlen.

 

Hör’n wir dann die Götter sprechen

von des Menschen seinem Ich,

Und wir lernen uns begreifen

wie man göttlich wird in sich,

Geh’n wir Brötchen holen. 

Ein Atom Gottes

 

Sind es nur des Christus Worte,

Die auf Erden nie vergeh‘n,

Oder bleibt von unseren Worten

Auch noch irgendwas besteh‘n?

Noch als Kind da stammeln wir

Worte unserer Eltern.

Kurz darauf schon sammeln wir

Worte in Behältern,

Die wie Wein in dunklen Fässern

Reifend dann im Keller stehen,

Doch ich frag euch, wird er besser,

Oder wird er dort vergehen?

Manchmal riech ich wie es heißt,

Heimlich an der Worte Geist,

Den ich dort in Fässer füllte

Und des Schöpfers Geist verhüllte.

Manche würd ich gern zerschlage,

Ach, wie konnte ich es wagen

Solches in die Welt zu tönen,

Und den Geist so zu verhöhnen.

Denn jetzt kann ich‘s vor mir sehen:

In den Fässern bleibt er stehen.

Und ich muss ihn einmal heben,

Wenn nicht heut – im nächsten Leben.

Und dann muss es sich bewähren,

Ob er reif war sich zu klären,

Oder ob er böse gärt,

Schön wärs, wenn er sich bewährt.

Reifung bringt allein – du spottest,

Ein Atom der Worte Gottes.

Doch in keinem Parlament,

Man heute dies Atom noch kennt.  

Was soll‘n wir tun

 

Was soll'n wir tun in unsrer Zeit,

Das Weltenende ist nicht weit.

Man braucht sich ja nur umzuschauen,

Natur vergeht – oh welch ein Grauen.

 

Und soll sie uns erhalten bleiben,

So planen wir uns zu entleiben,

Verzichten soll‘n wir ohne Spaß,

Auf Kohle, Holz, auf Öl und Gas.

 

Nur Fahrrad fahren noch und laufen,

Für’s Auto Batterien kaufen. 

Und selbst beim Atmen stille werden,

Um Luft zu sparen hier auf Erden.

 

Sonst machte sie uns den Garaus,

Mit Wasserfluten überm Haus.

Mit Feuer und mit „Berge beben“,

Wir müssen fort, Natur soll leben.

 

So stellen wir vor jedes Fenster

Ein Windrad, heulend wie Gespenster,

Und anstatt Wasser-Wellen-Strömen,

Soll die Elektrik uns umtönen.

 

Und wer sich böse widersetzt,

Und die Gesetzesform verletzt,

Den werden wir sogleich ergreifen,

Und vor den Richterstuhle schleifen.

 

Dann können wir vielleicht was ändern;

Wenn gleicherweis in allen Ländern,

Ein jeder einzelne sich müht,

Und für den Umweltschutz erglüht.

 

Doch ach, da muss ich eines sagen:

Und will mich ins Getümmel wagen,

Wenn ich mit klarem Worte nun,

Euch rate anderes zu tun.

 

Ihr steht am Kreuz, ich hör euch jammern:

Der arme Baum aus Waldeskammern…

Doch ist ganz anderes gemeint,

Wenn hinterm Kreuze „Er“ erscheint.

 

Denn hinter allem Weltgeschehen,

Lebt Christi Geist, man kann ihn sehen,

Wenn er im Winde um uns webt,

Und unsern Atem hält und hebt.

 

Denn alles, was wir denken, sinnen,

Lebt in dem Auferstandnen drinnen,

Wenn er vom Kreuze sich erhebt,

Und durch den Tod zum Leben strebt.

 

Des Baumes Holz wird eh vergeh’n,

Das ist nicht schwer vorauszuseh‘n,

Natur will dienen hier auf Erden,

Und mit uns dann zum Gotte werden.

 

Und wenn wir „Ihn“ im Herzen tragen,

Verstummen unsre Lebensklagen,

Denn statt zu wüten bis ins Blut,

Liebt uns Natur … weil „Er“ es tut.  

Morgenrot

 

Was dem einen Jauchzen löst,

Löst dem anderen die Träne,

Wenn die Sonne aufwärts stößt,

Überm Kamm der weißen Zähne.

Denn die Träne gilt dem Wesen,

Das am Gipfel kalt erstarrt,

Und das einmal jung gewesen,

Dort seit Urzeiten verharrt.

Unerreichtes Sonnenlicht,

Lässt es kalt und hart erfrieren.

Zeigt ihm nur, wie sein Gesicht,

Sich mit Tod und Leid berühren.

Doch dann kommt der Klimawandel,

Sonne wärmt den Gipfelkern.

Schenkt ihm einen Wärmemantel,

Hat ihn ach zum Küssen gern.

Und die Kälte und der Tod,

Einen sich dem Morgenrot. 

Es gibt ja keinen Knochen, der nicht schmerzt

 

Es gibt ja keinen Knochen, der nicht schmerzt,

Wenn ich die Wissenschaftler und die Forscher höre.

Sie attestieren mir ein warmes Herz,

Doch würde gerade das die Wahrheit stören.

Das publizieren sie in schönen  Schriften,

Die sie verkaufen oder gar verschenken.

Damit wir großzügig der Forschung stiften,

Denn alle lieben wir betreutes Denken.

Zwei kleine Regentropfen

 

Aus einer Pfütze trüb und dicht,

Hebt sich ein Tropfen in das Licht.

Ein andrer Tropfen tief bewegt,

Hinab ins Erdendunkel strebt.  

 

Dort unten sitzt er beim Kristall,

Der spiegelt ihm das Weltenall,

Derweil der andre sich voll Glück

Getragen fühlt im Sternenblick.

 

Der ist, wie jeder es versteht,

Zum hellen Staunen angelegt.

Indem er sich der Erde gibt,

Die er von oben hüllt und liebt.

 

Doch wollen beide zueinander,

Denn beide brauchen ja aneinander.

Und dieses Wollen ist zwar löblich,

Doch ohne Hilfe gar nicht möglich.  

 

Da schließt der Tropf im Erdengrund,

Mit einer Lilie einen Bund.

Er will ihr klares Wasser geben,

Und sie soll ihn nach oben heben.

 

Derweil der Tropf im Sternenblick,

Sich eint dem Sonnenstrahlgeschick.

Er möchte wieder abwärts steigen,

Um sich dem Freunde zuzuneigen.

 

So wächst der Tropf vom Erdenleben

Im Pflanzenblatt dem Freund entgegen.

Und unser Himmelstropf derweil

Bringt ihm den Liebe-Licht-Anteil.

 

Da hat der Erdentropf zuletzt

Sich in der Knospe festgesetzt.

Und als der Freund von oben spricht,

Enthüllt er ihm sein Angesicht.

 

So schön ist’s, dass man Tränen weint,

Sieht man die beiden nun vereint.

Denn das, was in der Blüte lebt,

Ist da, wenn man den Blick erhebt. 

Gewittersturm

 

Ungehemmt zieh’n hohe Wolken,

Stille ihre eig’ne Bahn.

Noch viel ruhiger und strenger,

Schaut sich die des Mondes an.

Und die ew’ge Bahn des Lebens,

Führt die Sonne mit sich fort.

Schlimm erginge es den Menschen,

Wenn sie stille hielt vor Ort.

 

Doch wer nahe rückt der Erde,

Wer den stillen Weg verlässt,

Der kann zur Gefährdung werden,

In den Dächern, dem Geäst.

Wer hat dich herbeigezogen,

Dich Gewittersturm und Blitz?

War nicht doch viel weiter droben,

Über Sonnen einst dein Sitz?

 

Bist du nur herabgestiegen,

Um des Menschen Seelenauge,

Da sie tief in Sünde liegen,

Hinzuführ’n zu Heil und Glaube?

Dann woll’n wir die Stürme tragen,

Wie sie uns von dir gewollt,

Denn ganz ohne Druck und Plage,

Wird aus keinem Steine Gold. 

Zur falschen Zeit am falschen Ort

 

Drei Schnecken woll’n in allen Ehren,

Schnell eine Straße überqueren,

Bevor die jetzt noch ferne waren,

Die drei oh’n Rücksicht überfahren.

 

Die erste Schnecke nimmt sich Zeit,

Da ist die zweite schon sehr weit.

Die dritte aber vorwärts kommt,

So wie es einer Schnecke frommt.

 

Sie überquert die breite Straße

Nach ihrer Art, nach ihrem Maße,

Derweil die eine Schneck‘ voran,

Die andere noch hintendran.

 

Da kommt ein Auto angefahren,

Und somit wird sich offenbaren,

Wer besser nun im Rennen liegt;

Der schnell ist oder sich begnügt.

 

Das Auto nämlich, schon am Ort,

Nimmt „Schnell“ und „Langsam“ mit sich fort.

Nur die, die in der Mitte strebt,

Hat beide Reifen überlebt. 

Die Klimakatastrophe

 

Die Klimakatastrophe ist längst da,

So tönt es angstvoll über Platz und Gassen.

Den einen klagt man an, dass er es war,

Den andren tut man einfach nur noch hassen.

 

Doch fragen wir uns mal, was Menschsein heißt,

Und was Natur für ihn bedeutet.

Nein andersrum, was die Natur erreicht,

Dadurch, dass ihr der Mensch die Glocken läutet.

 

Die Glocke ist geformt aus Erdenstoffen,

Ging durch das Feuer zu ganz neuem Sein.

Der Mensch hat sie geschaffen und gegossen,

So darf er ihr Verbündeter auch sein.

 

Und beide finden sich im reinen Tönen,

In einem Zustand jenseits unserer Welt.

Das kann dann auch die beiden wohl versöhnen,

Da jeder eines andren Hände hält.

 

Der Mensch braucht die Natur,

Und diese braucht den Menschen.

Für sich ist jedes nur,

Ein Nichts in niemands Händen.

 

Für sich alleine ach,

Liegt alle Welt in Scherben.

Die Wahrheit ist gemacht

Aus dem, wo Welten sterben.

 

Die drei Schwäne

 

Unter euch die dunklen Tiefen;

Über euch der Sterne Schein.

Kann es sein, dass sie euch riefen

Spiegelbildlich hier zu sein?

Für den stillen Geistesblick

In den eignen Grund zurück?

 

Ja, ich will es gerne glauben,

Dass ihr es für mich getan.

Euer Bild in meinen Augen

Regt mich zum Erkennen an,

Dass mir euer weißes Kleid

Wege öffnet groß und weit.

 

Leuchtende  Gedankenflügel

Wiegend überm dunklen Grund,

Gleitend über Tal und Hügel

Auf dem einen Erdenrund.

Und die Glieder sind mir schwer,

Trägt das Wasser mich nicht mehr.

 

Dreimal seid ihr ausgezogen,

Dreimal zieht ihr still vorbei,

Dreimal seid ihr mir gewogen,

Dass mein Auge offen sei;

Für den einen Menschenton:

Vater, Heil’ger Geist und Sohn.

Abel und Kain

 

Die ersten Jahre heißen wir noch Abel,

Und unsre Seele steigt zum Himmel auf.

Dann wird der Abel durch den Kain erschlagen,

Und unser Erden-Ich nimmt seinen Lauf.

Und dann, dann sagen uns die Pathologen,

Dass Abel schon gestorben war, als Kain ihn schlug,

Und dass wir heute frei und ungelogen

Nun endlich wissen, dass kein Gott uns schuf.

Doch wollen wir den Geist der ersten Jahre

Zur Auferstehung führ’n, wie sich’s gebührt,

Im Hoffen auf den Himmel, der uns trage,

Dann müssen wir verstehen, was Kinder rührt. 

Aus der Erinnerung

 

Siehst du dort drüben, ganz weit draußen,

Den kleinen Schatten sich bewegen?

Am Waldesrand nach vorne laufend,

Man kann es kaum mit Augen lesen.

Jetzt hat er gleich das Feld erreicht,

Den weiten Himmel über sich.

Und wie er um die Ecke streicht,

Seh‘ ich ihn aufrecht, glaube ich.

 

Und siehst du links weit überm Meere,

Das weiße Segelboot ganz klein?

Als wenn es fast verschwunden wäre,

Und doch muss jemand drinnen sein.

Ein Menschenkind kaum hier zu ahnen

Und als Beherrscher dieser Fahrt.

Ein Lenker nach dem Weg der Fahne

Das kann nur freien Geistes Art.

 

Und rechts ganz oben auf dem Berge,

Das kleine dunkle Etwas dort?

Das ist ein Mensch gleich einem Zwerge,

Die Bergeswelt trägt ihn uns fort.

So klein, so unbedeutend winzig,

Der will der Herr sein dieser Welt?

Kaum hält er sich, denn es ist windig,

Und doch ist er der Punkt, der zählt.

 

Das ist das Wunder, das Geheimnis,

Dass dieser geistbewegte Wicht,

Der großen Welt ist Bild und Gleichnis,

Und nicht zuletzt auch ihr Gesicht.

So weit die Welt ist, die ihn mantelt,

Die ihn umgibt als Berg, als Meer,

Nach deren Willen er auch handelt,

So ist er doch weit mehr – weit mehr.

 

Im Grunde ist er nichts von ihr,

Er geht nur in ihr auf und ab.

Ein Samenkorn von sonst wo her,

Das hier nichts an Verwandtschaft hat.,

Durch ihn hindurch ist gut zu schauen,

Dass er sein eigner Ursprung ist.

Er durfte sich auf Erden bauen.

Aus der Erinn’rung hellem Licht.

 

So ist er hier ein fremdes Wesen,

Und kommt von jenseits der Natur.

Er hat sich selber ausgelesen,

In seiner Art, nach seiner Spur.

Durch ihn wird die Natur sich wandeln,

Weil er sie mit der Zeit verschönt.

Und somit ist sein keimhaft Handeln,

Ihr Gut, da er sie menschlich krönt. 

Der Wurm

 

Kaum hat sich der Wurm seiner Erde entwunden,

Hat ihn der Schnabel einer Amsel gefunden.

Und geradewegs geht es zum Nest ihrer Kleinen;

Dort stirbt er - nein, nein, so mag es wohl scheinen,

Doch nun darf er sich ihrem Wachstum vereinen,

Und letztlich geflügelt im Lichte erscheinen.

Auf Flügeln getragen, wer hat es geglaubt?

Man hat diesem Wurm nur den Lehm zugetraut.

Doch jetzt sieht ein jeder Zweifler es ein:

Auch Würmer werden mal Engel sein. 

Das digitale Bild

 

Steh’n Menschen sich im Raume gegenüber,

So wirkt der ganze Kosmos auf sie ein.

Die Zeit, die kommt, die Zeit, die längst vorüber,

Das alles wirkt auf Seele und Gebein.

Doch haben wir ein Bild nur vor den Sinnen,

Ein Bild des and’ren Menschen kalt und tot,

So geh’n uns Leib und Seele strak vonhinnen,

Und werfen uns ins Nichts und aus dem Boot.

Die Möhre

 

Willst du im Acker stecken bleiben?

Und wehrst dich gegen meinen Zug?

So bin ich heute stark genug,

Dir deine Flusen auszutreiben.

 

Und endlich kann ich dich genießen,

Du Wurzel aus dem dunklen Grund.

Da dich nun hier in meinem Mund,

Die warmen Säfte sanft umfließen.

 

Sie lösen auf, was hart und dicht.

So kommst du nah dem Geistgefilde,

Verlierst dich selbst in meinem Bilde,

Und tauchst hinab - mein Leibgericht.

 

Doch ist es Dummheit nun zu glauben,

Dass du mich bildest, wie du bist.

Ich werde keine Möhre nicht,

Das würde ich mir nie erlauben.

 

Im Gegenteil, ich führe dich

In die Gefilde hoher Ahnen,

Verbinde dich den Sternenbahnen,

Und aus den Sternen nährst du mich.

 

Doch darfst du dafür so nicht bleiben,

Wie du auf Erden hier dich zeigst,

Dass du dein eignes Wesen bleibst,

Wenn meine Säfte sich dir neigen.

 

Dann wäre ein mir fremdes Wesen

In meinen Eingeweiden drin;

Du könntest mir nicht, was ich bin -

Und ich dir keine Sterne geben.

 

Wir würden diese nur begaffen,

Und müssten bleiben stumm und hart.

Hingegen ist es Menschenart,

Wenn wir uns neu von oben schaffen.  

 

Dafür hab ich dich ihr enthoben

Der dunkler Erde, deinem Hort,

Und nehme dich nun mit mir fort

Hinauf zum Schöpfer, den wir loben.

 

Und so ist‘s nicht allein mit dir,

Die Ganze Welt geht durch mein Wesen,

Nicht nur im Mund darf ich sie lösen,

In alles Sinnen zeigt sie mir,

 

Wie ich sie hin zum Schöpfer führe,

Wie sie mich bildet, ich sie trage

In meinem Hiersein alle Tage

Weil sie mich - und ich sie berühre.  

 

Ein Wesen, das sich dem verbindet,

Der aus Natur und Mensch sich zeugte,

Vor dem die Schöpfung sich verbeugte,

Bleibt ewig, weil es überwindet. 

Walpurgisnacht

 

Auf den Besen gestützt besieht sie das Treiben –  

Staunend, dass die Fliegenden oben bleiben,

Hoch überm Blocksberg im flackernden Licht,

Mit all ihrem Brüllen, dem Zorn und der Gicht.

Im Kreise sich jagend in der wildesten Weise,

Als sei‘n sie auf einer himmlischen Reise,

Zum ewigen Stern und zum jüngsten Gericht;

Da dreht sie sich um und denkt:

„Heute mal nicht“. 

Ich, mir, drein

 

Ich bin nicht gern mit mir allein;

Ich klopf mal an, vielleicht ist wer daheim.

Dann wären wir ja schon zu drein.

Und schau, da kommt er rein, der drein.

Da sagt der mir zu ich und drein,

Wir wolln zu eins verbunden sein.

Holt mal den Dichter zu uns rein,

Der ist da draußen ganz allein. 

Frühlingsblühen

 

Blaue Blume blüht nach innen,

Gelbe Blume stört das nicht.

Sie gibt grad ihr Sein von hinnen,

Blaue Blume denkt das Licht.

Rot will sprüh‘n es ist ein Fest ...

Während grün sich fressen lässt. 

Mensch und Natur

 

Er sitzt im Garten in ein Buch vertieft,

Und man kann ahnen, wie sein Geist ersprießt.

Er liest vom Blühen, das vom Licht umweht ...

Es ist der Löwenzahn, der vor ihm steht.

Er liest und liest, fast sehnsüchtig erfüllt,

Und ach ich seh‘s, dass ihm die Träne quillt.

Nicht einmal schaut er auf aus seinem Buche,

Nicht einmal so, als wenn er etwas suche.

Derweil das, was er liest, grad vor ihm steht,

Und wenn er‘s nicht bemerk, umsonst vergeht.

Doch ist sein Blick fest in das Buch gebannt,

Weil das, was er dort liest, ihm unbekannt.

Von Göttern und von Engeln liest er dort,

Von Gnomen, Sylphen und vom Ursprungsort.

Und so vergeht die Zeit in der er seelenschwer

Die Welt ergreift vom Blumenblühen her.

Es ist gewaltig, was ihm da geschieht ...

Derweil der Löwenzahn vor ihm verblüht.

 

Da ist es gut die Pflanze anzuschau’n,

Und dann auf die Erinnerung zu bau’n.

Sie also ganz genau und liebevoll zu sehen,

Um dann im Geiste zu ihr hin zu gehen.

Dabei muss man sich tüchtig davor hüten,

Sie nicht als Foto anzuseh’n – die Blüten.

Vielmehr die Seelenstimmung liebevoll zu spüren,

Mit der sie selbst das Sonnenlicht berühren.

Und wie die Engel ihre Triebe tragen.

Und man muss sehend hören, was sie sagen.

Sie sagen uns, dass ihnen innewohnt,

Der Jupiter, die Sonne und der Mond.

Und auch die fernen Sterne sei’n dabei,

Weil ja der Himmel selbst zugegen sei.

Und ihre Hingabe im allerschönsten Blühen,

Das sei ein kosmisches Erleben und Erglühen.

Und wenn sie so auf Erden still vergeh‘n,

Dann dürften sie im Menschen aufersteh‘n.

Alpha und Omega

 

In grandioser Einsamkeit auf Golgatha,

Ist der große Kreis der Weltenschöpfung

Durch den kleinsten Punkt gegangen,

Und wird in Zukunft sein ein eigner Kreis. 

Der Tag

 

Im Vorwärtsschreiten bleibt ein Etwas steh’n;

Im Morgenrot, und in des Windes Weh‘n.

Nur langsam drängst du dich durch das Geäst;

In Blatt und Blüte, was mich staunen lässt.

Doch sag, warum stehst du im Gehen still?

Warum zeigst du mir, was ich sehen will?

Warum hältst du vor mir die Schritte an?

Jetzt weiß ich es: dass ich dich lieben kann.

Wer Ohren hat

 

Wer Ohren hat zu hören,

Der höre auf den Ton.  

Wer Augen hat zu sehen,

Der sehe in den Ton.

 

Wer Ohren hat zu lauschen,

Der lausche auf den Sinn.

Wer Augen hat zu schauen,

Der schau zum Schöpfer hin.

 

Die Sinne, die wir leben,

Führ‘n in die Welt hinein,

Als wenn wir Blumen wären,

Und könnten Menschen sein. 

Ich glaub‘ jetzt weiß ich

 

Ich glaub‘ jetzt weiß ich, was es ist,

Was wir empfinden, wenn wir Steiner lesen.

Vorausgesetzt, dass uns das ew‘ge Licht,

Noch nicht verloren ist im eignen Wesen. 

Es ist der Frühlingsvollmond nach dem dritten Tage,

Der unsrer Seel‘ die Auferstehung bringt.

Und der auf seinem Weg zur Himmelswaage,

An Glanze abnimmt, und an Licht gewinnt.  

Organspende

 

Woll’n wir durch den Sinnenschein

Auferstand‘ne werden,

Müssen wir ins Grab hinein

Als des Heilands Erben.

Doch wir zementier’n den Schein,

Bleiben hier gefangen,

Wenn wir unser Leibessein

An andre Körper hangen. 

Gänseblümchen

 

Ich kann mich wundern -

Vor Staunen stumm,

Wie tapfer Gänseblümchen sind.

Grad‘ stand ich drauf,

Und wend‘ mich um;

Da leuchten sie im Wind - - -

Ach könnt‘ ich sein,

Wie Gänseblümchen sind.

Hinter eines Baumes Schale

 

Hinter eines Baumes Schale

Ist es still, wie allemale.

Schwiegermutter kommt vorbei,

Damit man nicht einsam sei.

Und sie nimmt gleich in die Hand,

Was sie andrer Hand entwand.

Da klopft ein Specht, sie ist so frei,

Und geht zu schau’n, wer draußen sei…

Hinter eines Baumes Schale

Ist es still, wie allemale. 

Denkmal

 

Früher standen Denkmäler,

Heut' verlier’n sie ihren Sinn.

Einfach, weil die Seele schmäler,

Und in sich gekehrt: „Ich bin“. 

Doch bedenkt: was wir gesehen,

Was wir dachten, hörten, sagten,

Das bleibt immerfort bestehen,

Dort, wo wir zu handeln wagten.

Denn die Welt hat sich verändert

In dem Sinne uns‘rer Taten,

Und steht folglich neu gewändert,

Denkmal dort - auf uns zu warten.

Mensch und Medien

 

Wie in Nussschalen reißt es die Menschen mit fort,

Auf den Wellen der Medien schnell wechselndem Ort.

Dass es schwer fällt an Land einmal stille zu steh’n,

Geschweige denn eigene Wege zu geh’n.

Denn selbst auf dem Felsen noch hat man’s dabei,

Das Handy, das Tablet - es ist einerlei,

Hauptsache man braucht nicht den Felsen zu spür’n,

Der könnte die Zellen zum Denken verführ’n.

Und dem will man fliehen und tunlichst meiden.

Man lässt sich viel  lieber in Bildern zeigen,

Was man selbst nicht denkend zustande bringt,

Das Wunder zu schau’n, das uns täglich umringt.

Denn das muss man finden und in sich tragen:

Wer als Einzelner denkt, muss das Denken erst wagen.   

Reinkarnation

 

Ich habe mein Leben auf Erden gelebt,

Nach eigenem Wollen und Können gewebt,

Gelitten, genossen und schön abgelegt;

So hab‘ ich mein Leben zu Ende gelebt.

 

Doch tief mir im Innern, da bleibt noch ein Kern,

Von oben zu sehen als leuchtender Stern,

Den darf ich auch lieben und habe ihn gern;

Den tief mir im Inneren göttlichen Kern.

 

Und wird dieser dann auf ein Neues belebt,

Gerufen, geweckt und zum Kleide gewebt,

Das dann voll Erwartung zur Erde hin strebt;

So wird mir ein künftiges Leben belebt. 

Des Haufens Kern

 

Des Morgens auf der Wiesenmatte

Hat sich die Erde aufgetan.

Ein Hügel, den sie so nicht hatte,

Zieht braun und fremd die Blicke an.

Wie kann man dabei ruhig bleiben,

Wenn wild geword’ne Quarks, Protonen,

Die Erde in die Höhe treiben,

Als würd‘ ein Wesen darin wohnen.

Dabei ist mir doch lange klar,

Dass nicht ein unbekanntes Leben,

Nein, dass Atome wunderbar,

Die Erde in die Höhe heben.

Doch sagt ein Freund im blinden Glauben

An ein rein seelisches Erleben,

Ich solle ihm doch auch erlauben,

Dem Hügel einen Sinn zu geben.

Mit der Behauptung, dass die Erde

Sich nicht von selbst erhoben habe,

Nein, dass sie dort zum Haufen werde,

Weil sie ein fühlend Leben trage.

So gehe ich, den Spuck zu lichten,

Und nehme ihn in Augenschein.

Den Haufen und in allen Schichten ...

Doch was ist das, das kann nicht sein,

Dass sich bei meinem wilden Graben,

Nach der Chemie im Erdenschlurf

Nun zeigt – und ach ich muss es sagen:

In Haufens Kern ein Maule - Wurf.

Der Atem

 

Mich tragen Schwingen, die nie stranden,

Und die die Welt von oben seh’n.

Nur wenn die Schwingen einmal landen,

Dann schweigen sie, und ich muss geh’n.

Der Mut ist’s, der auf Schwingen reitet,

Der dort und hier und immer weht,

Der über alles Außen gleitet,

Und sich verwandelt, wenn er geht.

Er wandelt sich in ein Verstehen

Der Märchen und der Sagenwelt,

Und wenn wir diese hier schon sehen,

Ist’s das, was uns am Leben hält. 

Die Blume am verborgnen Ort

 

Ich wachs' und blüh' so vor mich hin,

Hab' keine Ahnung, wer ich bin;

Kein Menschenauge je mich sah.

 

Da richtet plötzlich seinen Sinn,

Ein Menschenauge auf mich hin;

Und sieh', auf einmal bin ich da.

Kind und Greis

 

Das Kind kommt in die Welt,

Den Erdengeist zu finden. 

Um sich in seinem Selbst

Unschuldig ihm zu binden. 

Im Gehen, Sprechen, Denken,

Führt es sich selbst hinaus,

Um dann den Blick zu lenken,

Zurück ins eigne Haus. 

Ins eigne freie Sein;

Ins Erden-Ich hinein.

 

Der alte Mensch hat nur

Den Blick ins Haus behalten.

Und bildet hart und stur,

Das Ich - sich zu erhalten. 

Das Werden eines Kindes

Kann ihn jedoch beleben;

Im Gehen, Sprechen Denken

Sich göttlich zu erheben -

So rein wie dazumal,

So kindlich wie im Gral. 

Uns selber sehen wir von innen,

Dem Andern steh’n wir vis-à-vis.

Am Andern woll’n wir uns gewinnen,

Wir selbst genügen diesem nie.

Entmaterialisierung

 

Mir ist was weggesprungen;
Ich such‘s auf allen Vieren.
Gewiss ist‘s ihm gelungen,
Sich zu entmaterialisieren.

Corona 2020

 

Manche Wasser sind nicht rein,

Die aus manchem Atem sprühen.

Denn da will uns klein und fein,

Jemand in den Strudel ziehen.

Doch ein Halt lässt sich ergreifen,

Wenn die Atem Sonnenreifen.

Werbung

Werbung hier für Partys,
Im Lockdown quasi gratis.

Die Kunst

 

Da steht ein Baum,

Da steht ein Rad,

Wie es im Wind sich dreht.

Was sagt der Baum,

Was sagt das Rad,

Wie es nun weitergeht?

 

Da steht das Gestern,

Da steht das Morgen,

Wie es sich gegendreht.

Was sagt das Gestern,

Was sagt das Morgen,

Wie es nun weitergeht?

 

(Baum und Rad,

Gestern, morgen,

Will der Künstler

Still entsorgen.)

Die Welt als Maja

 

Man sagt die Welt,
die mir gefällt
Sei Maja von
Mir vorgestellt
Dann ist die Welt
die ich jetzt seh‘
Auch fort, wenn ich
Sie nicht mehr seh‘?
Oh weh‘!

Das „Was“ bleibt da
Das „Wie“ warst du.
Das Was ist wie
Ein alter Schuh.
Der dir das Wie
Ins Innre stellt
Vom Hühnerauge
Aufgehellt
Du Held!

Christgeburt

 

Im Herbst, und wenn die Blätter fallen,

Wird man so schön auf sich gestimmt.

Weil man in dieser Zeit vor allem,

Sich schon der Christgeburt besinnt.

Die Puppe

 

Ich bin eine Puppe in der Puppe,

Und trage noch eine in mir
Und deshalb ist es mir schnuppe,
Ob ich draußen bin, drin, oder hier.

 

Doch wär ich ein Licht gern im Lichte,

Und trüge noch eines in mir.

Dann lebten auch meine Gedichte,

Nicht nur ganz alleine in mir.

 

Der Schwan

 

Deine Flügel – Himmelswege,

Zeitlich offenbares Licht.

Sag, was machen sie auf trüben,

Wild bewegten Wellenschüben?

Nein, dahin gehör’n sie nicht.

Wasser strömt und quillt in Flüssen,

Still, bewegt und flächengleich.

Doch dein weißes Lichtgefieder,

Spiegelt völlig andres wieder.

Fremd berührt ihr euch zugleich.

Wer hat dir, gefangner Engel,

Deine Flügel stillgelegt?

War‘s die Erde, die dich formte,

Weiße Federn sacht verhornte,

So sie sich ins Zentrum dreht?

 

Ach mir geht es gleich auf Erden,

Alles muss gefangen werden,

Was in ihre Nähe strebt.

Zeig ich auch ein Höchstes wieder,

Das als Geist das All belebt,

Hat sie doch auf alle Glieder,

Schwere Steine mir gelegt.

Schließt mir vor mir selbst die Augen,

Lässt mich an ein Schauspiel glauben,

Ach, mir geht es gleich wie dir.

 

Manchmal spreizt du stolz die Flügel,

Still strebt Kopf und Hals zum Licht.

Doch du kannst niemals erkennen,

Weltenlicht kann in dir brennen,

Leb und stirb, du siehst es nicht.

Doch ich seh‘, ich kann es finden,

Kann die Welt im Wort verbinden,

Weil ich die Verbindung bin.

Kann die Welt im Geist vereinen,

Zeig dir deinen Platz darin.

Und ich seh‘, zwischen uns beiden,

Läuft die Welt im Gegensinn.

Trennt uns für das Reich der Sinne,

Doch wenn ich dein Kleid gewinne,

Einet uns der Geistgewinn.  

Welt und Mensch

 

Stell dir vor du wirst gebor’n

Und es ist gar nichts da.

Dann wärst du in dir selbst verlor’n;

Du bist Natur fürwahr.

Planeten

 

Jupiter, Mars und Saturn,

Ziehen ihre Bahn.

Während mir der Horizont,

Grad‘ die Sonne nahm.

Ihre Strahlen kann ich schauen,

Die der Sonne nicht.

Und doch tragen rot und blaue

Wanderer ihr Licht.

Ziehen mich auf ihre Bahn,

Fern vom Sonnenraum.

Sprechen meine Seele an,

In die Zeit zu schau’n.

Ohne sie müsst ich verzagen,

Folge ihrem Schritt.

Lasse mich im Drüben tragen,

Gut, dass es sie gibt.

Primat
(Biologisch, nicht Kirchlich)

Der Vogel Strauß
Ist keine Maus.
Des Menschen Art
Kein Primat.

Frühling

 

Nach tiefer Winterruhe in der Erde,

Will man von Herzen, dass nun bald,
In Menschen, Tieren Stein und Wald,
Es Frühling - und dann Sommer werden.

Man tritt heraus mit seinem Wesen,
Schaut auf zum Tiere, Stein und Baum.
Befreit sich selbst aus Nacht und Traum,
Und kann sich dann im Draußen lesen.

 

 

Herbst

 

Alles stirbt in die Erwartung,
Dass der Tod nicht ewig gilt.
Dass die herbstliche Entartung,
Sich mit neuem Leben füllt.

Doch noch  ist es nicht zu sehen,
Wird getragen wie im Wind.
Hoch hinauf ins Sternenwehen,
Und erwacht im Weihnachtskind.

Der Schöpfer

 

Er hat ein wunderschönes Kleid
In allen Farben, Formen, Arten.
Doch sucht man Ihn in seinem Keid,
Wird ihn sein Kleid uns nicht verraten.
Denn dazu lässt sich eines sagen:
In Wolken, Blumen, Tier und Stein,
Wird er sein Wesen erst verraten,
Lässt man sich auf sein Wesen ein.

 

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Grad jetzt und hier und allerorten,
Schließt er uns auf die Himmelspforten.
Weil er uns auf die Erde kam,
Und seine Pforten mit sich nahm.
So zeigt er uns im Erdenkern,
Tag täglich uns‘ren Heimatstern.

Die Flöte

 

Er sitzt und spielt auf seiner Flöte,

Und schaut auf seine Schäfchenschar.

Der Tag erwacht zur Morgenröte,

Grad eben war der Wolf noch da.

 

Vom Walde her kam er geschlichen,

Und jagte sie die halbe Nacht.

Sie sind umsonst ihm ausgewichen,

Warum war niemand da zur Wacht?

 

Man konnte es doch kommen sehen,

Dass sich das Böse übernimmt.

Dass Wölfe zu den Schafen gehen,

Weil sie im Biss so wehrlos sind.

 

Er sitzt und spielt auf seiner Flöte,

Und jeder Ton zum Himmel spricht:

Ich wünsche mir, wenn es sich böte,

Dass jetzt der Wolf wird, was er frisst.

Ich will

 

Es gibt ein Bild in Mosaik

Vom großen Weltgescheh'n.

Vom Schöpfergott in einem Stück

Für jeden zu versteh'n.

 

In bunten Teilen, die sich fügen.

In Einzelbildern wunderbar.

Darf jedes Teilchen für sich liegen,

Und stellt doch gleich das Ganze dar.

 

Doch gibt's ein Loch, da wo ich bin,

Das große Bild zerstörend.

Es ist zwar klein, doch reicht es hin,

So manchen zu empören.

 

Das ganze Bild ist wunderschön,

Mit vielen kleinen Teilen,

Die sich in ihm geborgen seh'n,

Um kosmisch zu verweilen.

 

Ich schätz mich selber gar nicht hoch,

Doch muss ich nun gestehen,

Dass es mich stört, das kleine Loch,

Will ich das Ganze sehen.

 

So schön das Ganze herrlich strahlt,

So ist's doch nicht vollkommen.

Das kleine Loch, das sich mir malt,

Es ist dem Bild genommen.

 

Nun frag ich mich, was kann ich tun,

Um dieses Bild zu heilen.

Lass ich's doch nicht den Künstler tun,

Will bei mir selbst verweilen.

 

Ich bin ein Ich, und nicht ein Teil,

Will für mich selber stehen.

Das Bild verspricht mir wohl das Heil,

Doch darf es so nicht gehen.

 

Wenn's sein muss, will ich's selber tun,

Das leere Loch zu füllen.

Ich füg mein Teil dem Ganzen zu,

Und tu's aus freiem Willen.

 

Ich winke auf Verdacht

 

Ich winke auf Verdacht,
Wer auch vorüberzieht.
Sonst wird man angemacht,
Dass man kein Menschen sieht.

Am Gipfel

 

Hoch oben, nah dem Himmelszelt.

Steht auf dem Steine aufgestellt.

Ein Kreuz des Einen - Einen.

Und hinterm Kreuze noch erhöht,

Weil's dort ums ew'ge Leben geht,

Ruft Er uns zu den Seinen.

 

Ein Tor in eine andre Welt,

Die unser Blick uns hier verstellt,

Im Hoffen auf den Einen.

Doch wer noch höher streben will.

Und nicht durchs Kreuze gehen will,

Bleibt ewig bei den Steinen.

Der Mensch

 

Einmal, da ward der Mensch geschaffen,

Und sollte die Erde zum Sterne machen.

Bis zur Hälfte des Lebens war's ein Geschenk,

Dann sollte er's sein, der die Erde lenkt.

Er sollte im Denken die Wahrheit schauen,

Und im alternden Menschen den Neuen bauen.

Doch Teufel und Satan sprachen im Bund:

Wir haben Maschinen und Medien und -

Wir hol'n uns den Menschern und löschen ihn aus,

Und binden ihn an uns im eigenen Haus.

Wir machen aus ihm einen alternden Tropf,

Und die Erde gleich mit ihm zum leeren Topf.

Wo die verstörten Blicke der Menschen ruh'n,

Und sich fragen, was hab ich mit ihr zu tun?

Doch Teufel und Satan, jetzt kennt er sich aus,

Und schließt euch ein im eigenen Haus.

Er macht die Menschenwelt Erdengerecht,

Und euer: ihn wecken, war ihm gerade recht.

Tod

 

Und jedes Mal, wenn wer gegangen ist,

Dann lebt in deren Seelen etwas auf,

Die still am Grabe steh’n - wie beim Herrn Christ;

Denn ohne Tod erstirbt der Welten Lauf.

 

So sind auch uns’re Blumen, uns’re Lichter,

Nun Dankgebete an den Weltengeist.

Denn in dem Blick unendlicher Gesichter,

Ist es der Tod, der neue Wege weist.

 

Sonne

 

Die Sonne reicht uns ihre Hände

Und schreitet neben uns einher.

Kein Raumgescheh’n und keine Wände

Geh‘n durch uns durch und um uns her.

 

Da dunkelt sich die Atmosphäre,

Die Stürme heul’n, das Licht entflieht…

Weil auf der abgeschnitt’nen Erde,

Das Unheil in die Herzen zieht.

 

Komm Sonne, komm uns nun von innen,

Wenn du von außen nicht mehr bist.

Erschließe uns’re höh’ren Sinne,

Und schenke uns ein neues Licht.

 

Climate der Angst

 

Sie macht sich geltend wie ein Gift,

Wenn sie uns von dem Ende spricht;

Die dunkle Faust, die Atemnot.

Die schwarze Kohle; unser Tod.

 

Doch plötzlich schießt ein Strahl aus Mut,

Uns aus dem Herzen in das Blut,

Und macht der Kohle dunkle Wand,

Zu einem leuchtenden Demant.

.

Wir sind gewachsen, sind gereift.

Die Erde wird nun wieder leicht,

Und geht durch uns, in sich erhellt,

Hinüber in die neue Welt.

Heute - Fazit

 

Einmal, da hatte ich hohe Fragen,

Suchte mit Geistern die Welt zu verstehen.

Heute, da muss ich 'ne Brille tragen,

Um diese Geister nicht mehr zu sehen.

 

Einmal, da hörte ich Engel singen,

Wie sie sich äußern in himmlischen Chören.

Heute, da muss es elektrisch klingen,

Um auch die Engel nicht mehr zu hören.

 

Heute, so hab' ich mich nun entschlossen,

Versenke ich alle Geräte im Teich.

Dass ich dem Geist, der sich in mich ergossen,

Augen und Ohren zum Wahrnehmen reich'.

Frühlingsblüte

 

Nur durch den Tod auf Golgatha,

Kannst du heut neu erstrahlen.

O neige dich Ihm immerdar,

Er brach für dich die Schalen.

Die Schalen sind dem Tod verwandt,

Er selbst will aufwärts streben.

So habe ich in dir erkannt,

Das Bild vom ew'gen Leben.

Golgatha

oder

der Sinn von Krankheit und Tod
 


Was wäre, wäre Golgatha geschehen ohne Ihn?
Was wäre, wenn Er nicht gewesen wäre,

Beim Untergang der Erde immerhin?
Nicht auszudenken, was geschehen wäre.

Und müssen wir dann nicht, wie Er es tat,

Dem Erdentode unsern Weg verbinden?
Damit wir uns mit Ihm am jüngsten Tag,

In Freiheit fühlen und in Liebe finden?

Denn im Erleben unsrer Schicksalswehen,
Im Tod der Erde, der uns angstvoll treibt,

Da fühlen wir dann „Ihn“, der im Geschehen
Auf Golgatha geboren, bei uns bleibt.

 

Natur

 

Du bist Substanz,

Du bist nicht Bild,

Du bist, was mich

Mit Sein erfüllt.

 

Du bist im Leuchten,

Im Verweh‘n,

Im Sterben

Und im Aufersteh‘n.

 

Du bist in mir,

Du bist in dir,

Gib mir, dass ich

Dich nicht verlier.

Ferien mit h

 

Das alte Wort, du sollst dich finden,
Erkennen und dem Schein  entwinden,
Geht nur, wenn das, was allen frommt,
Von dir selbst einen Riss bekommt.


Denn in dem Tun hast du gezeigt,

Dass das, was durch den Asphalt steigt,

Dein eignes Wesen offenbart,

Und sei der Asphalt noch so hart.


Es kam dir grad aus deinem Herzen,

Der Riss im Glas, schwer zu verschmerzen,

Doch ist er einfach so gescheh’n,

Und jetzt musst du ihn ständig seh’n.


Dein eignes Tun jenseits von Normen,

Das will dich bilden, will dich formen,

Bis du dir irgendwann gefällst.

Sieh auf den Riss, das bist du selbst.


So kann er dich nicht mehr verletzen,

Kannst selbst dich ihm entgegen setzen.

Wie wohl – getrennt; so schreibt man‘s nicht?

Bei dir hat jedes Wort Gewicht.


Das musst du zeigen und benennen,

Ein jeder darf sich selbst bekennen,

Auch wenn du‘s jetzt zusammenschreibst:
Du bist nur ehrlich, wenn du‘s bleibst.


Jenseits vom Dienst, jenseits vom Schönen,

Kannst du dich mit dir selbst versöhnen,

Und zeigst so allen, die da schrei’n:
Der tief‘re Sinn ist Mensch zu sein.


Sei Mensch und lass dich nicht bedrängen,

In Formen, Regeln, Eisen zwängen,

Denn bist du frei und fühlt es ga - ,
So schreibst du Ferien mit h.

1969 Mondlandung

Ihr habt die Mondenwesen aufgeschreckt,
Mit euren Füßen habt ihr ihn betreten.
Jetzt hat im Gegenzuge er geweckt,
Was uns umgarnt im falschen Beten.


Die Wesen, die uns in ein irres Denken,
Von Stoff- und Mystenglauben sterbend hüll’n,
Die habt ihr uns geholt, die woll‘n uns lenken,
Die unser ganzes Seelenwesen nun erfüll‘n.


Und wo auf ihren Bahnen, ihren Wegen,
Die Todeskräfte immer tiefer dringen,
Den Wind, das Meer und alles göttlich Leben,
Zum Stillstand führen und zur Lähmung bringen.


Da kann Verzweiflung noch so wild sich regen,
Da kann es stürmen, brausen und im Nichts vergeh’n,
Es wird auf diesen Mondenwegen,
Kein neues Leben mehr entsteh’n.


Noch sind es wenige, die sich besinnen,
Und Sonnenkräfte aus dem eignen Kern,
Zu neuem Leuchten führen und beginnen,
Den Sinn der Erde liebevoll zu ehr‘n.


Die mit den Strahlen, die den Mond besiegen,
Die Lähmung lösen, die uns überfiel,
Damit die Erdenwelt zu neuen Siegen,
Den Menschen trägt – denn sieh', das ist ihr Ziel.

Gespräch mit Frau Holle

Sag sie mir, Frau Holle,

Wie das Wetter wird.
Was durch Wind und Sonne,

Es im Schilde führt.

Musst dich selber fragen,

Was da kommen mag.
Ich kann es nicht sagen,

Da es in dir lag.

In mir hat gelegen,

Was da stürmt und braust?

Kommt mir nicht der Segen,

Aus dem Holle-Haus?

Nein, nicht selbstverständlich,
Kommt es dir von oben.
Tut es doch letztendlich,
Dir im Herzen toben.

In dem eignen Herzen,
Mag ich es erleben.
Doch in Freud und Schmerzen,

Hast du es gegeben.

Oh du blindes Wesen,

Ach wie sag ich’s dir.
Denk an dein Erleben,

Als du dientest hier.

Ja jetzt kann ich‘s lesen:
Da ich bei dir weilte,

Bin ich es gewesen,

Der den Wind verteilte.

Das Schicksalswort: "Ich bin".

 

Unser Ich gleicht einer Rose,

Die aus dunkler Nacht erwacht. 

Und in standhaft eig‘ner Pose,

Still der Sonne Weg mitmacht. 

Die am Abend rot wie Feuer,

Antwort ihrem Tage ruft. 

Und im schönsten Abenteuer,

Schon in Todes Armen ruht. 

 

Doch wer wirft es aus dem Leben,

Wer verbannt es in die Nacht.

Dass es aus dem Vorwärtsstreben,

Umgekehrte Wege macht.

Sind es Grenzen im Erleben,

Denen es am Abend flieht.

Oder Schwäche fortzustreben,

Da kein Auge weiter sieht.

 

Nun, die Schicksals-Erdenreste,

Müssen nachts geheiligt sein.

Und das Wertvollste und Beste,

Wird durch Ihn zu Brot und Wein.

Durch Ihn, der von Welt zu Welten,

Sich in seinem Vater schaut,

Wie der Mensch von Welt zu Welten,

An dem eig’nen Schicksal baut. 

 

Unser Schicksal will Er führen,

Neu erwacht in Blatt und Stein.

Uns im Morgenlicht berühren,

Und am Tage bei uns sein.

Öffnet die geschloss‘nen Augen,

Für das neue Morgenrot.

Und so dürfen wir Ihm glauben,

Dass Er lebt durch Nacht und Tod.

 

Sehen Ihn im Weltenleben,

Sehen, was das Herz gewinnt,

Wenn im neuen Miterleben

Ein ganz neuer Tag beginnt.

Wenn im freien sich Bemühen,

Hell erstrahlt der Rose Sinn,

Da die Welten sich durchglühen,

In dem Schicksalswort: Ich bin.

Erdensonne

 

Die Sonne, die absteigt,

Ist die, die auch steigt.

Es ist nur die Erde,

Die zwei Sonnen zeigt.

Im Auf- und im Abgang,

Zum Tag und zur Nacht.

Hat sie aus der einen,

Zwei Sonnen gemacht.

 

Ach was, es gibt viere,

Zu Mittag ja auch,

Und Mitternachts steigt sie

Von unten herauf.

So teilt sich das Licht,

In Zeit und in Raum.

Um sich durch die Erde,

Als Vierheit zu schau'n.

 

Da gab‘s einen Mann,

Der wollte versteh’n,

Warum wir die Sonne,

Als Vierheit seh‘n.

Denn er liebte ein Mädchen,

Und das liebte ihn.

Und es war nur die  eine 

Sonne, die schien.

 

Er malte sich aus,

Dass die Liebe zu zweit,

Aus der Einheit der Sonne,

Die Kräfte leiht.

Und so strebten sie fort,

Zur Sonne hin.

Um von ihr zu erfragen,

Geheimen Sinn.

 

Und sie hatten zwei Kinder,

Die kamen gleich mit.

Als die Gruppe gemeinsam,

Zur Sonne schritt.

Erst ging es nach Osten,

Und die Erde ging mit.

Dann ging es nach Westen,

Entgegen dem Schritt.

 

Dann ging es hinauf,

Ganz hoch auf den Berg.

Und dann in die Tiefe,

Da schimpfte ein Zwerg:

Was wollt ihr euch mühen

So sinnlos und dumm.

Ich habe die Sonne,

Schaut euch doch mal um.

 

Die Gruppe erstarrte,

Hier tief im Gestein,

Da kann unsere Sonne,

Schon gar nicht sein.

Doch, hielt er dagegen,

Nun kommt halt mal mit.

Nach links und nach rechts,

Und nach oben ein Stück.

 

Seht ihr das Geglitzer,

Der Kanten und Spitzen,

Das sind Sonn‘ und Sterne,

Die hier bei mir sitzen.

Nur seht ihr verkehrt herum,

Wendet euch um.

Nach vorne gesehen,

Macht das Auge euch dumm.

 

Ihr müsst euch mal denken,

Ihr käm't euch entgegen.

Dann seht ihr die Geister,

Die sich für euch regen.

Dann seht ihr die Sterne,

Den Gang der Planeten.

Und werdet zur Erde,

Als Sonne beten.

 

Es gibt nicht vier Sonnen,

Es gibt nur die eine.

Und auch eure Gruppe,

Ist eins im Vereine.

Und die Erde als Sonne,

Teilt nur ihren Schein,

In vier Teile und auch

Vier Kammern ein.

 

Schaut nur, wie ich sage,

Schaut in euer Herz.

Wie es schlägt für den Menschen,

In Freude und Schmerz.

Im Zentrum des Ganzen,

Teilt es dieses ein,

In vier Kammern, vier Wege,

Und so soll es sein.

 

Ein Zentrum auf Erden,

Das die Sonne trägt,

Und das aus den Herzen,

Zur Einheit schlägt.

Das ist die Bestimmung,

Für die ihr erwählt.

Nun geht an die Arbeit,

Weil die Welt auf euch zählt.

 

Da stiegen die viere,

Zum Lichte zurück.

Und hatten gefunden,

Den einen Blick.

Sie schauten nach vorne,

Und gleichfalls zurück.

Nach unten nach oben,

Von jedem ein Stück.

 

Und standen auf Erden,

Im Sonnenreich.

Was soll daraus werden?

Das sagt sie euch gleich.

Dann, wenn ihr sie habt,

Auf Erden gefunden.

Die Sonne im Herzen,

Der Wahrheit verbunden.

 

Dann tragt ihr die Erde,

Dann tragt ihr die Welt,

Zur Einheit im Geiste,

Das Getrenntes vermählt.

Und schafft für die Zukunft

Aus Raum und aus Zeit.

Im menschlichen Herzen

Die Ewigkeit.

Wenn erst das Bild vergeht

 

Wenn erst das Bild vergeht, das uns Natur gestaltet,

Und Sonn und Monde ihren Schein verlier'n.

Dann dringt ein ungeahntes neues Walten,

An seiner statt, und will uns mit sich führ'n. 

 

Das Grab ist leer, und überall ist Leben, 

Das uns des Tempels Innere vor Augen führt. 

Wir treten ein, und durchaus nicht vergebens,

Da uns die Sternenkuppel mit uns selbst berührt. 

 

Das Schöpfungswort, die Quelle allen Lebens,

Das Sehnen, dass uns einst von Gott getrennt. 

Das alles wird zum häuslichen Geschehen,

Das sich in seines Schaffens Innerem erkennt.

 

Wir sind nie außerhalb des Lebens, nie verloren,

Wir sind das Schöpfungswort, das in sich selbst erklingt.

Und werden täglich aus dem Wort geboren,

Das uns im Herzen von dem Menschen singt. 

Mein größter Kummer

 

Mein größter Kummer ist,

Dass ich nichts war und bin.

Das schlingt sich wie ein Nebel,

Um meine Seele hin. 

 

Und Zeiten trüb und träger. 

Geh‘n über mich hinweg,

Als rollten Wagenräder, 

Hin über Schlamm und …

 

Doch etwas muss es geben,

Muss an mir Gutes sein.

Nur ist es nicht zu sehen,

Vielleicht ist’s nur zu klein.

 

Ein ganz geheimes Streben,

Ein Sehnen – oder so,

Ein Drang nach Höh’rem eben…

Doch sag mir einer – wo.

 

Auf jeden Fall, so denk ich,

Muss etwas mir gehören.

Auch wenn es unergründlich;

Weil andre sich dran stören.

 

Ich will mich einmal setzen,

Bin für mich selber da.

Und sei’s ein kleiner Fetzen -

Vielleicht find‘ ich den ja. 

 

Ein kleinstes kleines Klein, 

Ein ew'ger Dang zum Werden.

Ein feines Lichtelein, 

Auf uns’rer dunklen Erden.

 

Und da: ich kann es finden,

Im stillsten Kämmerlein.

Und kann es nun verbinden,

Dem Geistes-Sonnen-Schein. 

 

Es hilft mir überwinden,

Die Ängste und die Not.

Und lässt sich gar noch finden,

Jenseits vom Erdentod.

 

Doch wem ist es entsprungen,

Wer ist sein lichter Held?

Denn mir ist nicht gelungen,

Was dieser Keim enthält. 

 

Ein Schein kann nur gebären,

Was ebenfalls ein Schein.

Es kann ihm nicht gehören,

Was aus dem wahren Sein.

 

Das muss aus and'ren Welten,

Muss in dem Schöpfer selbst,

Als Quell des Lichtes gelten,

Der alles Sein enthält. 

 

So muss ich es dort finden,

Jenseits von meiner Kraft.

Muss in die Welt eindringen,

Die Götterwesen schafft. 

 

Muss Ihn im Herzen finden,

Der sich durch Leid und Tod,

Dem Menschen konnt‘ verbinden,

Zu lindern seine Not.

 

So bin ich nicht alleine,

Bin nicht mehr hohl und leer.

Leb nicht mehr nur im Scheine,

Denn Er geht vor mir her. 

Ostern

 

Jede Freude, jedes Glück,

Alles geht auf Ihn zurück. 

Und ein jeder Lebenskeim,

Kommt von Ihm nur ganz allein. 

Von dem Gott, der in drei Jahren,

Und letztendlich in drei Tagen,

In den sterbenden drei Hüllen,

Einen Kosmos konnte füllen,

Da sie uns sonst mit sich jagen,

Und auch ins Verderben tragen. 

Denn der Tod will uns erreichen,

Will uns lähmen und erbleichen. 

Doch das ew'ge Sonnenlicht

Lässt ihm diese Siege nicht. 

Und seitdem, wie ich euch sage,

Kommt das Leben aus dem Grabe. 

Wetter

 

Die Winde rütteln an den Wänden,

Die Blitze hellen uns die Luft.

Der Regen will partout nicht enden,

Die Erde bäumt sich auf zur Kluft. 

 

Die Sonne dorrt den Wald, die Felder,

Der Hagel prasselt kreuz und quer.

Der Schutz vor ihnen fordert Gelder, 

Mit falschen Worten und Gewehr. 

 

Wer ist es, der in all dem rüttelt?

Wer faucht und leidet, brüllt und hellt?

Wer ist es, der die Erde schüttelt,

Und unser Herz in Atem hält?

 

Es sind nicht irgendwelche Kräfte,

Aus Menschenhand und Ungeschick,

Es sind verborg‘ne Weltenmächte,

Die uns hier packen im Genick. 

 

Die durch das eigne Leid sich wandeln,

Von Hütern, die den Mensch umhüllen,

Zu Wesen, die aus Liebe handeln,

Indem sie fauchen, schwemmen brüllen. 

 

Indem sie uns zu wecken suchen,

Uns zeigen, dass wir schuldig sind. 

Mit uns’rer Seele an dem Fluten

Am Bersten und am bösen Wind.

 

Sie wollen, dass wir uns besinnen,

Dass uns’re Seele zu uns kommt - im Wetter,

Und dass wir beginnen,

Zu fühlen, was uns zwei durchsonnt.

Ein morsches Holz

 

Ein morsches Holz

In welker Hand,

Lässt nur noch ahnen,

Dass es mal, 

Als junge Birke

Vor uns stand,

Im hellen Kleide

Dazumal. 

Dass es in Wind

Und Sturm

Sich wiegte,

An einen ander’n Baum

Sich schmiegte,

Im hellen grün,

Auf dunklem Sand. 

 

So schmückte es

Uns Wald und Leben,

Hat Schatten, Schutz

Und Glück gegeben,

Bis ich es hier

Am Boden fand,

Das welke Holz

In meiner Hand. 

 

Und doch; 

Nichts war umsonst,

Vergebens.

Kein Samenkorn

Des langen Lebens,

Ging ihm verloren

Mit der Zeit. 

Ist alles da, 

Was mal gewesen.

Bleibt in Erinnerung

Der Wesen,

Und ist in Zukunft

Stets zu lesen,

Weil nichts vergeht,

Was mal bestand. 

Schneekristall

 

Ein jedes Flöckchen im Erstarren,

Erspiegelt sich im Weltenall. 

Es denkt sich selbst im Schweben, Harren,

Und wird im Wahrnehmen Kristall. 

So liebt es sich – als Stern vor allem,

So nimmt es unseren Blick mit sich.

Doch wir, wir schmelzen schon im Fallen,

Und haben viel zu viel Gewicht. 

Wir leben hier und leben drüben,

Wir sind in alledem daheim.

Vom Norden Eis, und Licht vom Süden,

Gemeinsam und auch mal allein. 

Wir sind aus Ost und West geboren,

Sind Eis und Feuer, Tag und Nacht.

Und doch sind wir auch auserkoren,

Dass uns der Tod zu Sternen macht.

Der Baum von Eden

 

Als hättest du die Wolken eingefangen,

So stehst du da und wiegst dich sacht im Wind.

Vielleicht sind sie von dir auch ausgegangen,

Da sie nun über dir zu finden sind. 

 

Ein zartes Grün entwand sich einst der Sonne,

Das sich gleich einem Schleier um sie wand. 

Und mitten drin bist du zum Sein geronnen,

Aus einer Welt die Paradies genannt. 

 

So stehst du da, stehst diesseits deiner Wolken,
Und diesseits auch des lichten Paradies‘.
Ein schöner Baum, den wir bewundern sollten,
Und der im Jenseits doch noch anders hieß.

Du hattest einen Namen der uns zeigte,
Dass unser Wissen in dir aufbewahrt.
Bis du dich wendetest, ach was, dich neigtest,
Und uns dein Name so verloren ward.

Du warst ein Stamm mit Früchten der Erkenntnis,
Die du uns Menschen nun ins Herz gelegt.
Doch hatten wir dafür nur die Verwendnis,
Dass es ein Disseitswissen in uns angeregt.

Die Umkehrung des Wissens wie gesagt,
Wo deine Krone sich nach unten neigt,
Und tief als Wurzel in die Erde ragt;
Das wurde uns... da hat "Er" sich gezeigt.

Er sprach von Pforte und er sprach vom Tor,
In Umkehrung des höchsten Einen-Einen.
Der durch dich durch das ganze All verlor;
Er kam zu uns, an deinem Stamm zu weinen.

Wenn alles vorgegeben ist

 

Wenn alles vorgegeben ist,

Im Weltenbuch zu lesen.

Nichts Neues sich durch uns ergibt,

Sind wir umsonst gewesen.

 

Hat Gott nicht auch an uns Gefallen,

Kann er nicht staunend und beglückt,

Die Frucht genießen - und vor allem,

Bewundern, was der Mensch ihm schickt?

 

So soll das Leben zu ihm streben,

Nicht Spiegelgleich und vorgeprägt.

Nein so, dass das, was wir ihm geben,

Sein eig'nes Sein verschönt und trägt.

Ich bin

 

Gott nennt uns "Du",

Und würde uns verbrennen,

Würd nicht sein Sohn in uns,

Sich selbst benennen.

Die Gedanken

 

Gedanken sind frei,

Aber nicht unwirksam.

Deshalb müssen wir sie

Mit Bedacht verwalten.

Der Kuss der Liebe

 

Der Kuss der Liebe

Lässt ins Nichts zerfließen,

Was Ritterrüstung

Und was Stachel war.

Er lässt dem Eisen,

Aus dem Arm ersprießen,

Was durch sich serlbst,

Kein Eisen je gebar.

Die Dauer der Liebe

 

Ich lebe auf einer

Sich drehenden Welt.

Ich dreh mich mit, 

Und ich drehe mich selbst.

So bleibt nichts für immer

Und ewig besteh'n.

Alles dreht sich, entsteht,

Und wird wieder vergeh'n.

Doch was gibt mir Halt,

Auf der wandernden  Welt?

Was hält mich am Ort,

Wenn alles zerfällt?

Die Liebe zu dir ist's,

Die alles durchdringt.

Die die Seele bewegt,

Und zur Ruhe bringt.

Die Liebe zu dir,

Die nicht wankt und nicht weicht.

Und als Einzige so,

Ihre Dauer erreicht.

Panzer wollen rollen

 

Panzer wollen rollen,

Was sollen sie sonst wollen?

Sie sind nun mal im Sein,

Und fordern Rechte ein.

Sie wollen mit uns leben,

Mit uns den Sieg erstreben.

Und nehmen sich die Macht,

Die wir uns ausgedacht.

Sie werden uns begraben,

Da wir sie einmal haben.

 

Geben und Nehmen

 

Es gibt Menschen 

Die stärken ihr Nichtsein,

Indem sie nehmen.

Und es gibt Menschen 

Die stärken ihr Sein,

Indem sie geben.

Unsere Welt im Sonnenschein

 

Wenn unsere Welt im Sonnenschein

Nicht aufgetreten wäre,.

Dann könnt' ich selber auch nicht sein,

Und statt mir wäre Leere.

Ich bin das, was sie mir gereicht,

Was sie mir Tag für Tag,

Auf meine Seelenbrote streicht,

Und was ich in mir trag.

Und wenn ich mich nun lieben kann,

Und auf mich selber sehe,

So sehe ich, woher ich stamm',

Und durch wen ich hier stehe.

Und dann, dann lieb ich die Natur,

Die Sonne und den Wind,

Da alle ihre Werke nur,

In mir zu Hause sind.

Die alte Form

 

Man fällt zu schnell

In seine alte Form zurück.

Er war zu kur, 

Der zarte Geistesblick.

Er war nicht hell genug

Für meinen dunkeln Kern.

Doch warum nur?

Bin ich nicht selbst ein Stern?

Die Blume

 

Du siehst mich gern im Sonnenlicht,

Um dich zu lieben, siehst du mich.

Und denkst, du liebtest mich allein,

Doch solch ein Blick muss Irrtum sein.

Im Schauen stößt du mich von dir,

Und ich, ich bleib allein mit mir.

Oh könntest du mein Sehnen sehen,

Du würdest nicht vorüber gehen,

So wie du es gewöhnlich  tust,

Und glücklich in dir selber ruhst;

Du schautest das, was in mir liegt,

Wie Sehnsucht alles überwiegt.

Wie ich hier blühe auf der Flor,

Weil mich des Menschen Geist verlor.

Doch könntest du den Schmerz ermessen,

Der mich hier fesselt unterdessen

Du deiner Freude innig lebst,

Und nach dem eignen Glücke strebst,

So könntest du uns zwei befrei’n,

Uns Heiland und Erlöser sein.

Und brächtest uns gar himmelwärts,

Und Auferstehung meinem Schmerz.

Gott liebt dich nicht, wenn du dich liebst.

Gott liebt dich, wenn du Liebe gibst.

Abends

 

Abends wird die Sonne rot,

Wenn der Tag vollkommen war.

Früchte fallen in den Schoß, 

Warten auf ein neues Jahr.

Weihnachten

 

Zur Mittagszeit der Weihenacht,

Wenn alle Herzen still, 

Dem lauschen, was uns Christ gebracht, 

Weil keines schlafen will,

Dann spricht aus finstrer Geistesnacht,

Dem Herzen hell und klar:

Der, der uns einst das Licht gebracht,

Reicht seinen Sohn uns dar.

So sei dein Weg

 

So sei dein Weg gleich eine Rose,

Die als zarter Keim entsteht.

Die im Angesicht der Sonne,

Aufwärts und gen Himmel geht.

Die am Abend rot wie Feuer,

Früchte schafft aus Liebesglut.

Und im Lebensabenteuer

Weiß, was sie für Morgen tut.

Der Regen

 

Die Wärme steigt wie Opferrauch

Hinauf zum Himmelszelt.

Dort oben dient sie zum Gebrauch

Der Liebe für die Welt.

Doch manches Opfer will man nicht,

Strömt regenschwer zur Erde.

Zur Blume und zu deren Licht,

Damit es Leben werde.

Warum werden wir geboren

 

Warum werden wir geboren,

Immer wieder auserkoren,

Uns in diese Welt zu trollen -

Weil wir "Ihn" erkennen sollen.

Ihn, der sich der Welt verband,

Sonnenlicht ist sein Gewand,

Pflanzensäfte sind sein Blut,

Felsen tragen seinen Mut.

So gibt er sich uns zu schauen,

Damit wir auf ihn vertrauen,

Lass die Welt...

 

Lass die Welt zu dir herein,

Um sie zu sehn, darfst du nicht sein.

Und dann spürst du zart und fein,

Du bist die Welt, die Welt ist dein.

Schicksal

 

Ich stand ganz jung an Jahren,

Da kam ein Schiff gefahren,

Und stieß an meine Brust.

Dass ich den Stoß erlebte,

Wie ich an ihm erbebte,

Blieb mir fortan bewusst. 

 

So wuchs seit jenem Tage,

In mir die bange Frage,

Nach dieses Schiffes Art.

Warum es mich gefunden,

Wie es mit mir verbunden,

Woher es kam der Fahrt.

 

Wer seines Weges Meister,

Ob Menschen oder Geister,

In seinem Schatten kamen.

Aus welchem Heimathafen,

Fuhr es zu mir im Schlafen,

Wo les' ich seinen Namen?

 

Dein Heimweh ist mein Wesen,

Hab ich mit mal gelesen,

Dein Sehnen rief mich her.

Bin weder hier noch drüben,

Muss mir im Fahr'n genügen,

Ein Punkt im weiten Mehr.

 

Mein Heimweh muss ich denken?

Um dich, mein Schiff zu lenken?

Heimweh nach welchem Land?

Heimweh nach Deinen Taten, 

Die mir zum Rumpf geraten,

Ich bin dein Heimatland.

Ruhe und Gelassenheit

 

Ruhe und Gelassenheit,

Helfen dir im Strom der Zeit,

Schicksalsmächte zu erfahr'n,

Und in Liebe zu bejah'n.

Der Wind

 

Die Sonne ist draußen,

Die Seele ist drin,

Gut, dass ich als Mensch 

In der Mitte bin.

Und ist auch der Wind

Ein Vermittler von zwei’n,

Greift er, wie ich‘s tu‘,

In die Trennung ein?

Lässt er uns‘re Welt

Gewähr’n, wie sie ward,

Oder ändert sie stürmisch

Mal wütend, mal zart? -

Schickt fliehende Wasser

Zur Erde hinab

Und löst aus den Wassern

Was Sonnenlicht hat?

Verteilt Ost und West

In sich drehendem Wirbel,

In wütendem Schauder

In lieblichem Zwirbel?

Und ändert mit seinem

Atem Welt,

Damit sich das Leben

Im Flusse erhält?

Ja richtig, so mache

Auch ich es in mir.

Ich öffne im Herzen

Dem Winde die Tür,

Und schicke die Wasser

Zur Erde hinab,

Die Dämpfe hinauf,

Wie ein Licht aus dem Grab‘,

Und atme mein Herz

In die Winde hinaus…

Oh Wind komm zu mir,

Denn hier bist du zu Haus.

Fußwaschung

 

Die Sonne trifft Blätter und Blüten fürwahr.

Doch nimmt sie ein jedes anders wahr.

Dabei ist  die Blüte doch auch nur ein Blatt,

Und dankt dem Blatt für das, was sie hat.

Die Welt

 

Der Mensch er denkt

Die Welt sei ihm geschenkt -

Durch Milliarden Jahre.

Er brauche nur erhalten,

Gewordenes verwalten -

Für Milliarden Jahre.

 

So ist es nicht.

Die Welt so gibt es nicht.

Sie ist ein Rätseltor.

Ein gegenbildlich Spiegel,

Geheimnisvolles Siegel,

Für unser Aug und Ohr.

 

Sie wartet hinter Wänden,

Dass wir ihr Leid beenden,

Und will sich in uns seh‘n.

Den Ursprung ihres Werdens,

Den Grund auch des Entbehrens

Kann sie nur so versteh‘n.

 

Denn seid dem ersten Werden,

Verharrt sie hier auf Erden,

Im noch verschloss’nen Keim.

Dem wollen wir entbinden,

Was wir im Herzen finden,

Und gehen mit ihr heim.

Mystik und Wissenschaft

 

Die Mystik hebt ganz gern hervor,

Gott würd‘ in ihrer Seele leben.

Die Wissenschaft neigt zum Motor,

Und dass Atome sie bewegen.

Die Wahrheit haben beide, ja,

In dem, was wird und dem, was war.

Doch muss im Zwischenraum erscheinen,

Die Kraft, die Welten zu vereinen.

Dann wird der Seele offenbar,

Was wird und ist, und immer war,

Denn sie sieht auf die Freiheit hin,

Die sich benennt und sagt: "Ich bin."

Das Grün des Waldes

 

Das Grün fällt wie ein Regenschleier,

Auf den frisch erwachten Wald.

Bild des Lebens, denn dies selber, 

Mach vor unseren Augen Halt.

Nur ein Bild ist uns gegeben,

Von dem, der dahinter steht.

Dieser gibt ihm seinen Segen

Während er stillheimlich geht.

Ist es möglich ihm zu folgen?

Wohnt er tiefer drin im Wald?

Ist’s ein Lichtlein hell und golden?

Hat er menschliche Gestalt?

Ja ich denke, dass der Gute

Sich im Menschen selbst enthüllt.

Denn dem roten Menschenblute

Ist das Grüne Gegenbild.

Die grüne Schlange

 

Die grüne Schlange windet sich 

zur Blüte und zur Wurzel hin.

Sie lebt im Dunkeln sicherlich,

Und hat den Sonnenschein im Sinn.

 

Zur Brücke aber wird sie erst,

Wenn man sie streben sieht,

In einem Lied, in einem Vers,,

Der durch die Herzen zieht.

Rätsel:

 

Bin ich im Haus,

Schau ich heraus.

Geh ich hinaus,

Lösch ich mich aus.

 

                                        (Die Seele des Menschen)

Das Heil der Erde

 

Du sagst, Gott will das Heil der Erde.

Es sei sein ausgemachtes Ziel,

Dass in der Welt, die ihm entfiel,

Der Mensch von Herzen glücklich werde.

Doch warum schickte er uns dann,

Nachdem der Mensch vom Baume aß,

Ihm widersprach und ihn vergaß,

Mit Zorn und Strafe aus dem Lande?

 

Du sagst, Gott will uns sicher tragen,

Dass wir sein Licht hier alle Tage,

Voll Glück und Freude , kurz die Gnade,

Von ihm erhalten und erfahren.

Doch warum bannte er uns dann,

In Kindesschmerzen und in Not,

Und dass im Schweiße wir das  Brot,

Uns aus der harten Erde graben?

 

In dieser Welt, jenseits von Eden,

Lebt der, der uns den Apfel gab,

In dessen Hand die Sünde lag,

Und der uns lockt im Erdenstreben.

In dieser Welt hat Gott gelitten,

Ist durch die Geißelung, den Tod,

Gegangen und hat aus der Not,

Der Ewigkeit den Sieg erstritten.

Innen und außen

 

Der Seelenblumenstrauß

Führt uns ins eig’ne Haus.

Die Sinne werfens raus,

Aus dem Haus.

Der Strauß zeigt wie es war,

Die Sinne machens klar.

Pflanzensammler

 

Die Menschen schlafen in den Tag hinein,

Vollziehen nicht den Übergang zum Tage.

Verlieren die Verbindung zu dem Pflanzensein,

Und ernten dann so manche Körperplage.

 

Wir ernten ihn, den Übergang zum Tage,

Und geben ihn dem Menschen ganz, ganz fein.

So lösen wir manch böse Körperplage,

Doch besser wäre es, er würde wacher sein.

Pharmazie

 

Ich lebe nur von Pharmas Gnaden.

Und so, mit Stoffen überladen,

Frag ich nach dem, der mich erschuf.

 

Man sagt, dass Gott geschaffen habe,

Und nicht der Stoff aus Pharmas Gnade;

Und das tut meiner Seele gut.

Mond

 

Mit dir, Mond, kann ich freundlich reden,

Du bist es, der mir Antwort gibt.

Du hast mir nicht die Welt gegeben,

Du zeigst mir aber ihr Geschick.

 

Dein Licht ist Spiegel nur des Tages,

Ein Schloss, das in der Sonne steht,

Und abgewandt im dunklen Hades,

Als Schatten um die Türme weht.

 

Dort sitzt in einer dunklen Kammer,

Ein gold’ner Vogel fern dem Licht.

Wie geb ich ihm in seinem Jammer,

Was ihm und mir zum Heile ist?

All-Eins

 

Wenn wir mal soweit sind,

Kein Leib ins Feuer schieben,

Weil wir unteilbar sind,

Bleibt auch kein: "Ruh' in Frieden."

 

Denn jeder Schmerz im Leben,

Das Leiden, das wir spür'n,

Will zum Vollkommnen streben,

Und öffnet uns die Tür'n,

 

Die durch den Stoff auf Erden,

Zum höchsten Leibe werden,

Wo wir All-Eins berühr'n.

Im Himmel, wie auf Erden.

An meinem Geburtstag geschah‘ es,

Auf meinem Grabe wird’s steh’n:

Auf dem Weg zu seinem Geburtstag

Starb er dahin.