Gedichte

Wetter

 

Die Winde rütteln an den Wänden,

Die Blitze hellen uns die Luft.

Der Regen will partout nicht enden,

Die Erde bäumt sich auf zur Kluft. 

 

Die Sonne dorrt den Wald, die Felder,

Der Hagel prasselt kreuz und quer.

Der Schutz vor ihnen fordert Gelder, 

Mit falschen Worten und Gewehr. 

 

Wer ist es, der in all dem rüttelt?

Wer faucht und leidet, brüllt und hellt?

Wer ist es, der die Erde schüttelt,

Und unser Herz in Atem hält?

 

Es sind nicht irgendwelche Kräfte,

Aus Menschenhand und Ungeschick,

Es sind verborg‘ne Weltenmächte,

Die uns hier packen im Genick. 

 

Die durch das eigne Leid sich wandeln,

Von guten Mächten, die umhüllen,

Zu Wesen, die aus Liebe handeln,

Indem sie fauchen, schwemmen brüllen. 

 

Indem sie uns zu wecken suchen,

Uns zeigen, dass wir eines sind. 

Im Schlechten sowohl wie im Guten,

Gemeinsam sterben oder sind. 

 

Es gibt nur ein gemeinsam Gehen,

Im Herzen und in dem Verstand.

Lernt uns zu hören und zu sehn,

Wir gehen immer Hand in Hand. 

Ein morsches Holz

 

Ein morsches Holz

In welker Hand,

Lässt nur noch ahnen,

Dass es mal, 

Als junge Birke

Vor uns stand,

Im hellen Kleide

Dazumal. 

Dass es in Wind

Und Sturm

Sich wiegte,

An einen ander’n Baum

Sich schmiegte,

Im hellen grün,

Auf dunklem Sand. 

 

So schmückte es

Uns Wald und Leben,

Hat Schatten, Schutz

Und Glück gegeben,

Bis ich es hier

Am Boden fand,

Das welke Holz

In meiner Hand. 

 

Und doch; 

Nichts war umsonst,

Vergebens.

Kein Samenkorn

Des langen Lebens,

Ging ihm verloren

Mit der Zeit. 

Ist alles da, 

Was mal gewesen.

Bleibt in Erinnerung

Der Wesen,

Und ist in Zukunft

Stets zu lesen,

Weil nichts vergeht,

Was mal bestand. 

Schneekristall

 

Ein jedes Flöckchen im Erstarren,

Erspiegelt sich im Weltenall. 

Es denkt sich selbst im Schweben, Harren,

Und wird im Wahrnehmen Kristall. 

So liebt es sich – als Stern vor allem,

So nimmt es unseren Blick mit sich.

Doch wir, wir schmelzen schon im Fallen,

Und haben viel zu viel Gewicht. 

Wir leben hier und leben drüben,

Wir sind in alledem daheim.

Vom Norden Eis, und Licht vom Süden,

Gemeinsam und auch mal allein. 

Wir sind aus Ost und West geboren,

Sind Eis und Feuer, Tag und Nacht.

Und doch sind wir auch auserkoren,

Dass uns der Tod zu Sterne macht.

Der Baum von Eden

 

Als hättest du die Wolken eingefangen,

So stehst du da und wiegst dich sacht im Wind.

Vielleicht sind sie von dir auch ausgegangen,

Dass sie nun über dir zu finden sind. 

 

Ein zartes Grün entwand sich einst der Sonne,

Das sich gleich einem Schleier um sie wand. 

Und mitten drin bist du zum Sein geronnen,

Aus einer Welt, die jenseits ihrer stand. 

 

Da reichst du hin, weit, weit vor alles Werden, 

Das in dir selbst bis zu den Wurzeln dringt. 

Es fällt durch deinen Stamm hinab auf Erden,

Ein Schöpfungswort, das in dir nacherklingt. 

 

Doch in uns selbst, da ist dein Sein gewendet,

So dass dein Wurzelwerk die Sonne sieht.

Und deine Krone ihre Früchte spendet,

Der Nacht, die tief verborgen unterm Herzen liegt.

 

Und dieser Blick, der hat dich erst erschaffen,

So wie du vor uns stehst im Erdenlicht.

Weil wir die Krone nahmen für den Schatten,

Und uns dein Wurzelwerk im Dunkeln blieb.  

 

Wir haben uns getrennt und dich verlassen,

Im Wenden haben wir uns abgewandt. 

Dann kamen andere Wesen aus dem Schatten,

Und gaben dir auf Erden ein Gewand.  

 

So stehen wir vor dir mit blinden Augen,

Die nicht ins Sein und in den Ursprung schau‘n. 

Sie sehen nur ein Bild und müssen glauben,

Dass dieses Bild doch mehr ist als ein Baum. 

 

Doch jetzt, jetzt wollen wir dich finden und dir lauschen,

Weil ohne dich das Tor verschlossen bleibt.

Das uns aus Eden warf, wir wollen tauschen,

Den Raum in Zeit, die dir dein Dasein gab. 

 

Dann führen wir die Wesen, die dich tragen,

Und auch dich selbst zurück nach Eden hin. 

Das Tor geht auf, und das, so muss ich sagen,

Ist wohl der Welten eigentlicher Sinn. 

 

Denn nach dem Tor der Sonne, wo wir kamen.

Da wenden wir das Hiersein wieder hin. 

In ihr klingt nach, was wir auf Erden tragen,

Und sieh, du selbst, du trugest den "Ich bin".

Wenn alles vorgegeben ist

 

Wenn alles vorgegeben ist,

Im Weltenbuch zu lesen.

Nichts Neues Gottes Herz bewegt,

Bin ich umsonst gewesen.

Hat Gott nicht auch an uns Gefallen,

Kann er nicht staunend und beglückt,

Die Frucht genießen - und vor allem,

Bewundern, was der Mensch ihm schickt?

So soll mein Leben zu ihm streben,

Nicht Spiegelgleich und vorgeprägt.

Nein so, dass das, was ich ihm schenke,

Sein eignen Sein verschönt und trägt.

Gott nennt uns "Du",

Und würde uns verbrennen,

Würd nicht sein Sohn in uns,

Sich selbst benennen.

Gedanken sind frei,

Aber nicht unwirksam.

Deshalb müssen wir sie

Mit Bedacht verwalten.

Der Kuss der Liebe

 

Der Kuss der Liebe

Lässt ins Nichts zerfließen,

Was Ritterrüstung

Und was Stachel war.

Er lässt dem Tode,

Aus dem Arm entsprießen,

Was neu und herrlich,

Sich im Selbst gebar.

Die sich drehende Welt

 

Ich lebe auf einer sich drehenden Welt.

Ich dreh mich mit, 

Und ich drehe mich selbst.

So bleibt nichts für immer

Und ewig bestehn.

Alles dreht sich, entsteht,

Und wird wieder vergehn.

Doch was gibt mir Halt,

Auf der wandernden  Welt?

Was hält mich am Ort,

Wenn alles zerfällt?

Die Liebe zu dir ist's,

Die alles durchdringt.

Die die Seele bewegt,

Und zur Ruhe bringt.

Die Liebe zu dir,

Die nicht wankt und nicht weicht.

Und als Einzige so,

Ihre Dauer erreicht.

Panzer wollen rollen

 

Panzer wollen rollen,

Was sollen sie sonst wollen?

Sie sind nun mal im Sein,

Und fordern Rechte ein.

Sie wollen mit uns leben,

Mit uns den Sieg erstreben.

Und nehmen sich die Macht,

Die wir uns ausgedacht.

Sie werden uns begraben,

Da wir sie einmal haben?

 

Es gibt Menschen, 

Die stärken ihr Nichtsein,

Indem sie Leben.

Und es gibt Menschen, 

Die stärken ihr Sein,

Indem sie geben.

Unsere Welt im Sonnenschein

 

Wenn unsere Welt im Sonnenschein,

Nicht aufgetreten wäre.

Dann könnt' ich selber auch nicht sein,

Und statt mir wäre Leere.

Ich bin das, was sie mir gereicht,

Was sie mir Tag für Tag,

Auf meine Seelenbrote streicht,

Und was ich in mir trag.

Und wenn ich mich selbst liebe dann,

Und auf mich selbst nur sehe,

So  leugne ich, woher ich stamm',

Und durch wen ich hier stehe.

Doch jetzt, jetzt lieb ich die Natur,

Die Sonne und den Wind,

Da alle ihre Werke doch,

In mir zu Hause sind.

Man fällt zu schnell,

In seine alte Form zurück.

Er war zu kurz, 

Der zarte Geistesblick.

Er war nicht hell genug,

Für meinen dunkeln Kern.

Doch warum nur?

Bin ich nicht selbst ein Stern?

Die Blume

 

Du siehst mich gern im Sonnenlicht,

Um dich zu lieben, siehst du mich.

Und denkst, du liebtest mich allein,

Doch solch ein Blick muss Irrtum sein

Im Schauen stößt du mich von dir,

Und ich, ich bleib allein mit mir

Oh könntest du mein Sehnen sehen,

Du würdest nicht vorüber gehen,

So wie du es gewöhnlich  tust,

Und glücklich in dir selber ruhst.

Du schautest das, was in mir liegt,

Wie Sehnsucht alles überwiegt.

Wie ich hier blühe auf der Flor,

Weil mich des Menschen Geist verlor.

Doch könntest du den Schmerz ermessen

Der mich hier fesselt unterdessen

Du deiner Freude innig lebst,

Und nach dem eignen Glücke strebst

Dann könntest du uns zwei befrein.

Uns Heiland und Erlöser sein.

Und brächtest uns gar himmelwärts,

Und Auferstehung meinem Schmerz.

Gott liebt dich nicht, wenn du dich liebst.

Gott liebt dich, wenn du Liebe gibst.

Abends wird die Sonne rot und warm,

Wenn der Blumenkelch sich neigt.

Früchte fallen in den Schoß der Erde, 

Warten auf ein neues Jahr.

Weihnachten

 

Zur Mittagszeit der Weihenacht,

Wenn alle Herzen still, 

Dem lauschen, was uns Christ gebracht, 

Weil keines schlafen will,

Dann spricht aus finstrer Geistesnacht,

Dem Herzen hell und klar:

Der, der uns einst das Licht gebracht,

Reicht seinen Sohn uns dar.

So sei dein Weg

 

So sei dein Weg gleich eine Rose,

Die als zarter Keim entsteht.

Die im Angesicht der Sonne,

Aufwärts und gen Himmel geht.

Die am Abend rot wie Feuer,

Früchte schafft aus Liebesglut.

Und im Blick auf ihren Stern,

Weiß, was sie auf Erden tut.

Der Regen

 

Die Wärme steigt wie Opferrauch,

Hinauf zum Himmelszelt.

Dort oben dient sie zum Gebrauch.

Der Liebe für die Welt.

Doch manches Opfer will man nicht,

Strömt regenschwer zur Erde.

Zur Blume und zu deren Licht,

Damit es Leben werde.

Warum werden wir geboren

 

Warum werden wir geboren,

Immer wieder auserkoren,

Uns in diese Welt zu trollen -

Weil wir "Ihn" erkennen sollen.

Ihn, der sich der Welt verband,

Sonnenlicht ist sein Gewand,

Pflanzensäfte sind sein Blut,

Felsen tragen seinen Mut.

So gibt er sich uns zu schauen,

Damit wir auf ihn vertrauen,

Lass die Welt zu dir herein,

Um sie zu sehn, darfst du nicht sein.

Und dann spürst du zart und fein,

Du bist die Welt, die Welt ist dein.

Schicksal

 

Ich stand ganz jung an Jahren,

Da kam ein Schiff gefahren,

Und stieß an meine Brust.

Dass ich den Stoß erlebte,

Wie ich an ihm erbebte,

Blieb mir fortan bewusst. 

 

So wuchs seit jenem Tage,

In mir die bange Frage,

Nach dieses Schiffes Art.

Warum es mich gefunden,

Wie es mit mir verbunden,

Woher es kam der Fahrt.

 

Wer seines Weges Meister,

Ob Menschen oder Geister,

In seinem Schatten kamen.

Aus welchem Heimathafen,

Fuhr es zu mir im Schlafen,

Wo les' ich seinen Namen?

 

Dein Heimweh ist mein Wesen,

Hab ich mit mal gelesen,

Dein Sehnen rief mich her.

Bin weder hier noch drüben,

Muss mir im Fahr'n genügen,

Ein Punkt im weiten Mehr.

 

Mein Heimweh muss ich denken?

Um dich, mein Schiff zu lenken?

Heimweh nach welchem Land?

Heimweh nach Deinen Taten, 

Die mir zum Rumpf geraten,

Ich bin dein Heimatland.

Ruhe und Gelassenheit,

Helfen dir im Strom der Zeit,

Schicksalsmächte zu erfahr'n,

Und in Liebe zu bejah'n.

Der Wind

 

Die Sonne ist draußen,

Die Steine sind drin,

Gut, dass ich als Mensch 

In der Mitte bin.

Ist auch der Wind

Ein Vermittler von zwei‘n

Und greift wie ich 

In die Trennung ein?

Lässt unsere Welt

Gewähren und hart,

Oder ändert sie stürmisch

Mal wütend, mal zart? -

So ist er Gottes 

Wille im Raum,

Und lässt mich atmend

Auf Geistiges schau'n. 

Fußwaschung

 

Die Sonne trifft Blätter und Blüten gleichermaßen.

Doch nimmt ein jedes die Sonne anders wahr.

Dabei ist auch die Blüte nur ein umgewandeltes Blatt.

Die Welt

 

Der Mensch er denkt,

Die Welt sei ihm geschenkt -

Durch Milliarden Jahre.

Er brauche nur erhalten,

Gewordenes verwalten -

Für Milliarden Jahre.

So ist es nicht.

Die Welt so gibt es nicht.

Sie ist ein Rätseltor.

Ein gegenbildlich Spiegel,

Geheimnisvolles Siegel,

Für unser Aug und Ohr.

Sie wartet hinter Wänden,

Dass wir ihr Leid beenden,

Mit unserer Seelenschau.

Sie leidet, wenn wir scheinen,

Und jubelt, wenn wir weinen

Für sie als Morgentau.

Denn seid dem ersten Werden,

Ist sie gelähmt auf Erden,

Und möchte Engel sein.

Sie schafft es nicht alleine,

Nur mit uns im Vereine,

Holt Gott sie wieder heim.

Wir wolln die Welt durchreisen,

In immer neuen Weisen,

Und wissend im Vertrau‘n,

Dass sie den Menschen liebt,

Der selbstlos Rettung gibt,

Im Bild- und Ursprung-Schau‘n.

Die Frauen heben gern hervor,

Gott würd‘ in ihrer Seele leben.

Die Männerwelt neigt zum Motor,

Und dass Atome sie bewegen.

Die Wahrheit haben beide, ja,

In dem, was wird und dem, was war.

Doch muss im Zwischenraum erscheinen,

Die Kraft, die Welten zu vereinen.

Dann wird der Seele offenbar,

Was wird und ist, und immer war,

Und sie sieht auf die Gottheit hin,

Die sich benennt und sagt: "Ich bin."

Es gibt Menschen, 

Die stärken ihr Nichtsein,

Indem sie Leben.

Und es gibt Menschen, 

Die stärken ihr Sein,

Indem sie geben.

Das Grün des Waldes

 

Das Grün fällt wie ein Regenschleier,

Auf den frisch erwachten Wald.

Bild des Lebens, denn dies selber, 

Mach vor unseren Augen Halt.

Nur die Blüte farbenprächtig,

Strahlt mit überirdscher Kraft,

Bindet sich, des Leidens mächtig,

An den grünen Pflanzensaft.

Und ich schau im Rund des Raumes,

Blüten und die Form des Baumes,

Und ich denk mir immerdar,

Das ist Bild und gar nicht wahr.

Denn die Wahrheit liegt verdeckt,

Nur in dem, was sich versteckt.

Rätsel:

 

Bin ich im Haus,

Schau ich heraus.

Geh ich hinaus,

Lösch ich mich aus.

 

                                        (Die Seele des Menschen)

Du sagst, Gott will das Heil der Erde.

Es sei sein ausgemachtes Ziel,

Dass in der Welt, die ihm entfiel,

Der Mensch von Herzen glücklich werde.

Doch warum schickte er uns dann,

Nachdem der Mensch vom Baume aß,

Ihm widersprach und ihn vergaß,

Mit Zorn und Strafe aus dem Lande?

 

Du sagst, Gott will uns sicher tragen,

Dass wir sein Licht hier alle Tage,

Voll Glück und Freude , kurz die Gnade,

Von ihm erhalten und erfahren.

Doch warum bannte er uns dann,

In Kindesschmerzen und in Not,

Und dass im Schweiße wir das  Brot,

Uns aus der harten Erde graben?

 

In dieser Welt, jenseits von Eden,

Lebt der, der uns den Apfel gab,

In dessen Hand die Sünde lag,

Und der uns lockt im Heiles streben.

In dieser Welt hat Gott gelitten,

Ist durch die Geißelung, den Tod,

Gegangen und hat aus der Not,

Der Ewigkeit den Sieg erstritten.

Die grüne Schlange

 

Die grüne Schlange windet sich 

zur Blüte und zur Wurzel hin.

Sie hat die Dunkelheit sowohl,

Als auch den Sonnenschein im Sinn.

Zur Brücke aber wird sie erst,

Wenn man sie streben sieht,

Nach einem fernen Lebenssaft,

Der durch die Herzen zieht.