Ansprache vom 20. März 2011

Ansprache am 20. 03. 2011 in der St. Heinrichskirche in Paderborn.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

sie sehen hier den Paderborner Wanderaltar auf seiner zweiten Station um die Welt. (Dafür braucht es aber noch Sponsoren und Einladungen.) Er wurde gebaut und hergerichtet mithilfe der Firma Ochsenfarth.

Und vor etwa genau einem Jahr, habe ich begonnen ihn in einem kleinen Büro am Kamp hier in Paderborn zu malen. Dieser Raum war so klein, dass ich die einzelnen Bilder nie zusammen habe sehen können und warten musste, bis ich ihn in der Öffentlichkeit aufstellen konnte. Die erste Gelegenheit dazu fand sich in der Barmherzigkeitskapelle in Elsen, die mir Herr Ochsenfarth zur Verfügung stellte.

Neun Monate habe ich an den Bildern gemalt, und wusste doch anfangs nicht, was daraus wird. Ich hatte nur eine grobe Vorstellung, was ich darstellen wollte, musste mich dann aber von Tag zu Tag neu inspirieren lassen, um letztendlich erstaunt festzustellen, dass jedes Detail dem entsprach, was ich selbst schon seit Jahren im Göttlichen zu ergreifen suchte.

Von den verschiedensten Seiten her, kann man sich dem Altar nähern, doch möchte ich Ihnen heute, rücksichtnehmend auf die tragischen Ereignisse der gegenwärtigen Zeit, den Paderborner Wanderaltar von einer ganz bestimmten Seite her ans Herz legen.
Denn im Gedenken an die schreckliche Naturkatastrophe in Japan können wir ja nicht umhin anzuerkennen, dass viele Menschen im Angesicht solch eines großen Leidens sich fragen: Wo war Gott in diesem Moment? Warum hat er das zugelassen?

Und das können Sie nun auch an dem ersten Bild des Paderborner Wanderaltars lesen, dass der Mensch - links unten - hinweisend auf die physische Welt und im Zweifel an Gott fragt: „Warum hast Du dort nicht geholfen"?

Und der Engel des Herrn, der Erzengel Michael, als Offenbarer des göttlichen Wortes ihm und uns antwortet: „Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Denn wäre es von dieser Welt, so wäre es vergänglich. Gott aber ist die Ewigkeit und somit nicht vergänglich. Die Gesetze der Natur zwingen den Menschen, denn sie sind aus dem Göttlichen herausgefallen. Gott aber zwingt den Menschen nicht. Der Himmel kennt keinen Zwang. Gott empfängt den Menschen dann, wenn er die Naturgesetze durch seinen Tod oder vorher schon durch seine Hinwendung zu Gott überwunden hat".
Daraufhin sagt der das Geistige leugnende Mensch: „Da du uns nicht helfen kannst, gibt es auch keine Ewigkeit, sondern nur die Gesetze des Raumes und der Zeit. Der Mensch ist aus Staub und wird zu Staub werden. Das ist alles".

Aber der Engel des Herrn antwortet ihm mit den Worten der Heiligen Schrift: (Luk. 24,7)
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden". Das soll heißen, dass sich überall dort, wo sich die Gräber der Menschen befinden, deren Geist nicht mehr befindet, da er bereits im Schoße Gottes ruht. Eine unendliche Ruhe und die Gewissheit der Unvergänglichkeit der menschlichen Seele kann über uns kommen, wenn wir die Stimme des Engels hören und seinen Blick spüren. Denn dieser Blick ruft uns zu Gott. Und er nimmt uns die schreckliche Angst, die uns befallen müsste, würden wir nur mehr an das Physische, das dem Tode verfällt, glauben. Aber der Mensch besteht nicht nur aus dem Physischen, sondern er hat einen geistigen, ewigen Kern, den es zu erkennen gilt.

„Du kommst von Gott, und du gehst zu Gott". Sagt uns der Engel. Und dadurch wissen wir, dass wir den göttlichen Menschen in uns dort suchen müssen, wo die physischen Augen nicht hinreichen. Wir müssen also die geistige Schrift im und um den Menschen herum wieder lesen lernen. Diese Schrift zu lesen lehrt uns nun der Erzengel Michael. Er ist der Schutzpatron der Christenheit und somit liegt es ihm am Herzen, den Menschen wiederum zu Christus hinzuführen. Er sagt uns, dass wir dem Zweifler widersprechen müssen, der uns nur als ein Produkt der seelenlosen Materie sehen will und ihm entgegen halten müssen, dass wir neben dem Physischen auch das Ewige im Menschen finden. Das Ewige, das uns über den Tod hinaus erhalten bleibt.

Das aber zeigt uns der Erzengel Michael im nächsten Bild. Im Weihnachtsbild. Dort sehen wir, wie sich die Kräfte des menschlichen Herzens mit den Ewigkeitskräften am Beginne unserer Zeitenrechnung durchdrangen. Denn mit der Geburt des Christus Jesus auf Erden erhielten die physischen Organe des Menschen eine aus der Ewigkeit stammende und sie erneuernde Kraft.

Das zeigt uns für die Kräfte des Herzens und der Liebe das linke Bild der Geburt Jesu, das nach dem Lukasevangelium gemalt, die Ankunft der reinen Schöpferliebe auf Erden darstellt. (Auf der Erde und nicht auf dem Mond oder dem Mars, nach denen es die Menschen heute gelüstet,)
Mit Umgehung des Sündenfalls - und damit auch mit Umgehung der physischen Todeskräfte - empfängt die jungfräuliche Maria im Blick auf die reine Kindlichkeit des Paradieses das Gotteskind in ihrem Herzen.
Dagegen zeigt uns die Heilige Familie rechts, die ganz aus dem Evangelium des Matthäus heraus gemalt ist, die Inkarnation der göttlichen Weisheit im Menschen. Durch seinen ganzen Körper, in sein Herz und bis in seinen Atem hinein nimmt der Mensch durch die Geburt des Jesus von Nazareth die Liebe und die Weisheit auf. (Nach einer alten Tradition sind hier beide Bibelgeschichten nebeneinander dargestellt,)

Die Hirten, die noch ein Bewusstsein davon hatten, dass der Mensch das Paradies verloren hat, finden dieses Paradies jetzt in den Armen der Maria als Herzenskraft des ewigen Lebens. Und die Könige als Träger der irdischen Weisheit finden in dem Gotteskind die kosmische Weisheit, die sich so großartig im Rhythmus des menschlichen Atmens zeigt. (Wir haben 18 Atemzüge in der Minute. Mal sechzig sind 1080 Atemzüge in der Stunde. Mal 24 sind 25920 Atemzüge am Tag. Dem entspricht im Kosmos der einmalige Umgang des Frühlingspunktes durch den Tierkreis im Laufe von genau 25920 Jahren.)

So sehen wir die Verbindung von Materie und Geist im reellen Leben des Menschen. Und fällt die Materie ab, so kehrt der Geist in den Kosmos zurück. Das sehen wir im oberen Bereich des Weihnachtsbildes, wo die geistigen Kräfte von Sonne und Mond, als die Repräsentanten von Liebe und Weisheit, ins Geistige getragen werden.

Dort bilden sie eine neue Einheit im Geiste. Was auf Erden nur mit Finsternissen verbunden ist - die Überschneidung von Sonne und Mond - ist im Geiste ohne Finsternisse möglich. Denn in dieser neuen Verbindung gibt es keine Materie mehr, und nur Materie erzeugt Finsternis.

Jetzt hat der Mensch das Ewige in seinem Kern gefunden. Er sucht sich nicht mehr im Grabe, sondern er kann sich sagen: Mein Körper kann beruhigt im Grabe vergehn, denn ich bin auferstanden und habe mich der Ewigkeit neu verbunden. Ich habe den Heiligen Geist empfangen und mit dem Christus in meinem Herzen kann ich jetzt sagen: Ich und der Vater sind eins.

Und als Mitträger der heiligen Dreieinigkeit bin ich auch zum Mitgestalter einer neuen Welt geworden. Denn in allem, was ich tue, sehe ich jetzt die Wirkung der Ewigkeit. Ich habe die Angst verloren, mich in der Materie zu verlieren, habe den Christus in mir gefunden und verbinde mein Leben in einem kosmischen Gebet mit dem Vater.
Ich erlebe das heilige Abendmal als die Barmherzigkeitssubstanz meines Lebens und bin zum Mitschöpfer des „Neuen Jerusalem" geworden.

 

Nun habe ich noch ein ganz persönliches Anliegen. Da sich mein Leben sowohl geistig wie auch physisch dem Altar verbunden hat, bin ich in Zukunft auch wirtschaftlich auf ihn angewiesen. Deshalb habe ich kleine Altäre zusammengefügt, die Sie käuflich erwerben können. Sie bekommen sie in der Bonifatius-Buchhandlung am Kamp und bei Trapp - auch am Kamp.
Außerdem können Sie auf meiner Internetseite: www.paderborner-wanderaltar.de die Entwicklung des Altars verfolgen und können auch dort Bilder und Schriften über den Altar bestellen.

Ansprache St. Heinrichskirche.pdf
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